Hilfe im digitalen Dschungel – wo Eltern Orientierung finden
Von Susan Künzel
Unsere Kinder wachsen mit der digitalen Welt auf und gehen ohne Scheu damit um. Entsprechend früh wünschen sich viele Kinder ein Tablet oder ein Handy. Neben den Vorteilen, erreichbar und mit Freunden verbunden zu sein oder auch kreativer lernen zu können, gibt es viele Risiken und Fragen, die Eltern beschäftigen – von der Sicherheit über die Gesundheit bis zu technischen Aspekten. Etliche Plattformen bieten Hilfestellungen und ganz konkrete Tipps.
Das erste Handy bekommen Kinder meist, wenn sie sich zunehmend allein bewegen und erreichbar sein sollen. Oft ist es bereits ein Smartphone und bietet damit die große weite Welt und die gesamte Bandbreite der sozialen Netzwerke, Apps und Plattformen, Inhalte und Möglichkeiten. Doch weder Kinder noch Eltern überblicken diese große weite Welt mit ihren Sicherheitsrisiken und Kostenfallen, wo Daten eine Währung sind und wo man unter dem psychischen Druck steht, sofort antworten zu müssen oder etwas zu verpassen.
Mögliche Risiken und Gefahren: Die Kinder und Jugendlichen chatten mit Freunden, nutzen Apps zum Spielen, zum Lernen und zum Spaß, benötigen oft Messenger und Gruppenchats für die Schulklasse oder den Verein. Dabei sind sie unter Umständen folgenden Risiken ausgesetzt:
– Ungeeignete Inhalte wie gewaltverherrlichende Online-Spiele oder Videos mit pornografischen Zügen – Preisgabe persönlicher Daten, Datendiebstahl, unnötige App-Berechtigungen – Chat/Cybergrooming – Cybermobbing – Abzocke, In-App-Käufe, „versehentliche“ Abos – Verletzung von Urheberrechten – Das Netz vergisst nichts – Cyberkriminalität wie Phishing, Schadsoftware – Suchtgefahr, Realitätsverlust, Ablenkung, Unkonzentriertheit
DAS A UND O: EIGENE KOMPETENZ
Um all den lauernden Gefahren vorzubeugen und um Kindern und Jugendlichen einen sicheren Umgang mit digitalen Technologien vorzuleben und zu vermitteln, ist es ratsam, dass Eltern selbst Medienkompetenz erlangen. Das heißt beispielsweise, sich mit Instagram, TikTok, Snapchat, Twitch und Co vertraut zu machen. Sich dafür zu interessieren, was das Kind möchte und was es tut. Dass Eltern über Fake News, das Gedächtnis des Internets, die (wissenschaftlich belegten) Auswirkungen intensiver Nutzung offen sprechen. Dass sie die ganz Kleinen nicht mit dem „digitalen Babysitter“ ruhigstellen. Dass sie den eigenen Umgang mit Medien hinterfragen und medienfreie Zeiten wie Mahlzeiten und medienfreie Räume wie das Schlafzimmer nicht nur predigen, sondern vorleben.
Einige Tipps für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien:
Altersempfehlung: Das erste Handy frühestens zum 9. Geburtstag, besser erst zum 12., weil erst dann die Reife gegeben ist, Gefahren des Internets einschätzen und sich schützen zu können. Für jüngere Kinder empfiehlt sich ein Tastenhandy für den Notfall ohne das weltweite Web im Gepäck.
Persönliche Daten schützen: Sichere und kindgerechte Online-Umgebung schaffen mit Jugendschutzeinstellungen, Kindermodus, Tastensperre mit PIN, Anmelden mit Nickname – betrifft alle vom Kind genutzten Geräte. Aufklären, wie leicht persönliche Daten „gewonnen“ werden. Extratipp: Besser keine Schutz-Apps auf dem Smartphone der Eltern zur Kontrolle des Kinderhandys installieren, da hierbei Nutzungsdaten der Kinder übers Internet übertragen werden.
Nutzungszeiten begrenzen: Handyzeiten im Blick behalten, ohne das Kind ständig zu kontrollieren. z. B. maximal 30 Minuten für 7- bis 8-jährige Kinder (auf Elterngeräten), max. 45 Minuten für 9- bis 10-jährige Kinder. Bildschirmfreie Zeiten für Familie, Mahlzeiten und vorm Schlafengehen. Festen Ablageplatz fürs Handy. Mit gutem Beispiel vorangehen.
Benimmregeln: Beispielsweise das Handy weglegen für volle Aufmerksamkeit dem Mitmenschen gegenüber oder für die Hausaufgaben. Respekt gegenüber Daten und Bildern anderer, also kein ungebremstes Weiterleiten. Rücksicht nehmen z. B. bei Sprachnachrichten oder Videos.
Aufpassen bei Apps: Altersgerechte und werbefreie Spiele- und Lern-Apps. Aufklären, dass viele Apps auf persönliche Daten wie das Adressbuch zugreifen und diese Daten für Werbezwecke genutzt werden. Zugriffsberechtigungen für Apps begrenzen, nicht jede braucht zum Beispiel den Standort oder die Kamera. Authentifizierungen für Käufe (In-App-Käufe, Abo-Abschlüsse) einrichten. Am besten oft mit dem Kind spielen oder lernen, um sich ein eigenes Bild zu machen.
Achtung Kostenfalle: Kindgerechte Vertragsangebote oder Prepaid-Handys nutzen, so lernen Kinder mit dem Guthaben umzugehen, ältere können sich mit ihrem Taschengeld beteiligen. Über Kosten allgemein und besonders beim Herunterladen von Spielen oder Apps aufklären, Sicherheitseinstellungen nutzen.
Gesundheit: Auswirkungen der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung sind unklar. In jedem Fall wird die Energie vom nahen Körperteil (Kopf, Rumpf, Gesäß) aufgenommen. Mehr Sicherheit bieten, beispielsweise Kopfhörer mit Kabel. Bei schlechtem Empfang und im Auto nicht telefonieren, beim Kauf auf einen geringen SAR-Wert (https://www.bfs.de/DE/themen/emf/mobilfunk/vorsorge/sar-handy/sar-handy_node.html) achten.
PLATTFORMEN MIT HILFE UND BERATUNG
Schau hin! www.schau-hin.info richtet sich hauptsächlich an Eltern und bietet neben Informationen konkrete praktische Ratschläge, die Kinder in der digitalen Welt zu begleiten und deren Mediennutzung zu verstehen, so zum Beispiel Bildschirmzeiten, Altersempfehlungen und goldene Regeln für die Handynutzung.
Klicksafe www.klicksafe.de richtet sich an verschiedene Zielgruppen, an Kinder und Jugendliche genauso wie an Eltern und Lehrer. Die Plattform will über Chancen und Risiken aufklären und bietet dafür vielfältige Materialien und Medien wie auch konkrete Tipps für den digitalen Alltag.
Medien kindersicher www.medien-kindersicher.de informiert Eltern verlässlich und verständlich über technische Lösungen für die meistgenutzten Geräte, Dienste und Apps ihrer Kinder. Sie bietet ganz konkrete Anleitungen für mögliche Schutzeinstellungen, passend zu Alter, Entwicklungsstand und Gerät.
Privat-o-Mat Auf www.Privat-o-mat.de geht es um den Datenschutz und den Schutz der eigenen Privatsphäre. 15 Fragen mit Antwortmöglichkeiten helfen, die eigenen Einstellungen und das persönliche Verhalten zu reflektieren und zu verstehen. Zudem gibt es Empfehlungen für datenschutzfreundliche Browser, Tools, Geräte etc.
Internet-ABC www.internet-abc.de richtet sich vor allem an Kinder im Grundschulalter, ihre Eltern und Lehrer. Auf spielerische Weise wird das Internet erklärt, mit interaktiven Spielen und Videos werden die Kinder für die Medien fit gemacht. Zum Beispiel können sie einen Internetsurfschein machen.
Es gibt weitere Plattformen und Informationsmöglichkeiten. Neben all den technischen und rationalen Vorkehrungen ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder mit deren Onlineerlebnissen nicht allein lassen. Bleiben Sie im Gespräch, interessieren Sie sich für die Kanäle, in denen die Kinder unterwegs sind, welchen Influencern sie folgen, welche Trends sie toll finden. Lassen Sie sich Dinge erklären und bleiben Sie dabei.
Ähnliche Beiträge, die Sie auch interessieren könnten
Ein Herbstmorgen in der Staatlichen Regelschule „Geschwister Scholl“ in Saalfeld. Heute findet hier kein normaler Unterricht statt, heute ist Medientag. Auf dem Programm stehen 16 verschiedene Veranstaltungen, unter denen die […]
Kochen mit Kindern. Früher lief das so: Man einigte sich darauf, was es geben soll. Dann wurde vielleicht noch in ein Kochbuch geschaut, die Zutaten zusammengestellt – und schon ging […]
„Fit for news“ heißt eine Initiative, die in Leipzig ansässig ist und sich zum Ziel setzt, die Medienkompetenz von Jugendlichen in den Schulen und der Berufsausbildung zu stärken. Auf der […]