Flizzy – ein Sportabzeichen für die Jüngsten

Von Susan Künzel
©Kristin Schmidt/LSB Sachsen
Flizzy (©Kristin Schmidt/LSB Sachsen)

Ein eigenes Sportabzeichen für Kindergartenkinder – dafür sind Übungen wie Springen, Rollen und Balancieren zu absolvieren. Wichtig ist vor allem die Freude beim Mitmachen. Aber eine Urkunde gibt es auch und das Kindersportabzeichen mit der Sportmaus Flizzy als Anhänger. Und nicht zuletzt die Erfahrung von Sprungkraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit.

„Wie viel Käsestückchen hast du?“, fragt die fünfjährige Mila lachend und noch etwas außer Puste ihren Kitafreund Marvin, nachdem sie sich gegenseitig bei den lustigen Hampelmann-Sprüngen angefeuert haben. In der Kita ist die Flizzy-Maus zu Gast und eine Frau vom Kreissportbund. Vor dem Hampelmann haben die Kinder auch Purzelbaum, Standweitsprung, Balancieren, Zielwerfen, Rumpfbeugen und Pendellauf probiert. Für jede Übung gibt es ein bis drei Käsestückchen (allerdings nur auf der Urkunde) sowie das ersehnte Kindersportabzeichen mit der Flizzy-Maus als Anhänger.

So in etwa läuft ein Flizzy-Tag ab, wenn das Sächsische Kindersportabzeichen von geschulten Prüfern der Kreis- oder Stadtsportbünde oder von Sportvereinen abgenommen wird. Das Angebot wurde 2013 vom Landessportbund Sachsen (LSB) ins Leben gerufen, und zwar als Ergänzung zum Deutschen Sportabzeichen. Denn das kann man frühestens mit sechs Jahren erwerben, die Kleinsten bleiben also außen vor.

Flizzy Urkunde
Flizzy Urkunde

EINE WUSELIGE AKTION

Das Flizzy-Abzeichen dagegen können schon Kinder von drei bis sechs Jahren in Kindergärten und in Sportvereinen machen. Anlässe können Spiel- und Sportfeste, ein Jahresabschluss, aber auch einfach eine besondere Sport- oder Übungsstunde sein. In jedem Fall braucht es helfende Hände an den einzelnen Stationen. „Denn es kann ganz schön wuselig werden“, verrät Jana Schmutzler vom Landessportbund und erläutert die Zielstellungen: „Es ist ein altersgerechter Fitnesstest. Neben Sprungkraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit werden vor allem koordinative Fähigkeiten geprüft – auch weil wir herausbekommen wollen, wie sich diese bei den Kindern über die Jahre entwickeln. Die Urkunden sind für die Kinder ein Anreiz, weiter zu üben; zugleich sind sie eine Rückmeldung für die Eltern sowie Erzieherinnen und Erzieher. Vor allem aber geht es darum, positive Bewegungserfahrungen zu vermitteln: Die Kinder sollen Freude an Bewegung erleben.“

KRITISCHE ENTWICKLUNG

Leider hat sich die Sportlichkeit der Kleinkinder seit Beginn dieser Initiative vor 13 Jahren sichtbar verschlechtert. Das ergeben die Daten, die anonymisiert erhoben und von der Uni Leipzig ausgewertet wurden. Vereinsberaterin Kassandra Große vom Kreissportbund Sächsische Schweiz – Osterzgebirge e.V. ist eine der Flizzy-Verantwortlichen vor Ort und vermutet unter anderem „Unsicherheiten seitens der Erzieher, zum Beispiel, ob eine Rolle vorwärts überhaupt noch gemacht werden darf. Das hängt auch mit deren Ausbildung zusammen, die zu wenig Augenmerk auf Bewegung richtet. Folglich trauen sie sich nicht.“ Für ein qualitatives Sportangebot fehlen oft die Räumlichkeiten. Die naturgegebene Bewegungslust kleiner Kinder wird zunehmend ausgebremst, möglicherweise auch aufgrund veränderter Alltagsgewohnheiten: Kinder werden mit dem Auto gebracht und spielen statt auf dem Klettergerüst auf dem Handy. Die Schuleingangsuntersuchungen untermauern die Ergebnisse des LSB. Allerdings fällt auf, dass Kinder, die in Sportvereinen sind, die Übungen weitaus leichter bewältigen.

©Kristin Schmidt/LSB Sachsen
©Kristin Schmidt/LSB Sachsen

Erfreulich ist der neue Rekord mit über 19.000 Kindersportabzeichen in Sachsen im Jahr 2025. Insgesamt wird bald die sportliche Zahl 170.000 erreicht – so viele Kinder haben in Sachsen das Kindersportabzeichen Flizzy bereits abgelegt.


EMPATHISCH UND MOTIVIERBAR

Flizzy wird nur einmal im Jahr abgenommen, darum vereinbaren viele Einrichtungen gleich schon wieder den Termin fürs kommende Jahr. Die Kinder wiederum kennen zumeist noch ihre Käsewürfelzahl vom Vorjahr. Kassandra Große begeistert die konkurrenzlose Empathie der Kinder. „Sie freuen sich immer mit den anderen mit und feuern einander an, obwohl es an sich ein Einzelwettbewerb ist. Und sie sind wundervoll motivierbar. Klappt der Hampelmann nicht, turnt die Erzieherin vor und schon hampelt es sich besser. Vor der Rumpfbeuge auf einer Bank haben manche Angst; schaut von unten die Flizzy-Maus herauf und will an der Nase gekrabbelt werden, beugt sich der Rumpf leichter.“ Und jeder mutige Versuch führt zum Käsestückchen auf der Urkunde.

Weitere Informationen: https://www.sport-fuer-sachsen.de/breitensport/kinder-und-jugendsport/flizzy-kindersportabzeichen

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