Einen Traumfänger selber machen

Von APOTHEKERIN DR. ANNE-KATHRIN HABERMANN
Traumfänger bei Sonnenuntergang


Manchmal kann ich nicht gut schlafen. Ich wälze mich unruhig hin und her. Beängstigende Träume suchen mich heim. Kennt ihr das auch? Vor einiger Zeit ist ein riesiger schuppiger Drachen mit spitzen Zähnen, kalten Schlangenaugen und scharfen Krallen schnaubend hinter mir hergerannt. Er hat mich wohl für einen leckeren Happen gehalten. Bevor er zuschnappen konnte, bin ich schweißgebadet aufgewacht. Ich hatte den Traum mehrfach und bin gar nicht mehr gern ins Bett gegangen. Bis mir eine Lösung einfiel. Ich rannte im Traum zu einem Burgtor. Das Tor war ziemlich eng. Ich habe hindurchgepasst, aber das Ungetüm – ich spürte seinen Atem schon im Nacken – blieb brüllend stecken. Ich sagte ihm auf Nimmerwiedersehen und hatte seither auch Ruhe vor ihm in meinen Träumen. Aber ich will auf Nummer sicher gehen und mir noch einen Traumfänger basteln. Kennt ihr Traumfänger?

Das ist ein magisches Amulett nordamerikanischer Ureinwohner. Wir leben natürlich in aufgeklärten modernen Zeiten und glauben eher nicht an so etwas. Wohl auch, weil wir vergessen haben, dass unsere Vorfahren vor tausenden von Jahren als Jäger und Sammler durch die Wildnis zogen und wahrscheinlich ähnliche schamanische Bräuche hatten. Ich möchte den Traumfänger mal ausprobieren. Er soll so eine Art Sieb für Träume sein. Die guten Träume dürfen durch und uns besuchen, die schlechten verfangen sich im Sieb und werden am nächsten Morgen von der Sonne verbrannt. Wenn ihr einen Traumfänger bauen wollt, braucht ihr:

Für meinen Traumfänger habe ich zuerst einen Holzring aus dem Bastelladen mit Wolle umwickelt (1), bis das Holz nicht mehr zu sehen war. Das muss man nicht machen, es sorgt aber dafür, dass der Ring bei den nächsten Schritten nicht so rutschig ist. Dann habe ich das dünne feste Garn mit einem Ende an den Ring geknotet (2) und in lockeren Schlingen sieben bis neun Mal um den Ring geschlungen, sodass gleichmäßige Abstände entstanden sind. Wieder am Ausgangspunkt angekommen, umschlingt ihr in der nächsten Runde nicht den Ring, sondern die Garnschlaufen selbst (3). So arbeitet ihr euch nach innen, wer mag, kann ein paar Perlen auffädeln. Vor allem: zieht das Garn vorsichtig (!) immer schön fest. So entsteht ein Netz. Das Netz ist das „Sieb“ der Träume. Die Mitte des Traumfängers kann leer bleiben oder mit Perlen geschmückt werden (4). Da kommen die guten Träume durch. Das Ende des Fadens verknotet ihr. Den Knoten könnt ihr unauffällig in einer Perle verstecken. Bei der Gestaltung könnt ihr eurer Fantasie freien Lauf lassen. Aus einem 20 cm langen Wollfaden habe ich eine Schlaufe zur Aufhängung angeknotet (5). Dann habe ich als Schmuck noch bunte Wollfäden mit Perlen und Federn angebracht (6). Die sollen die schönen Träume sanft aufs Kopfkissen geleiten. Viel Spaß beim Basteln und süße Träume!

Zeichnung Traumfänger (©Dr. A.-K. Habermann)
Zeichnung Traumfänger (©Dr. A.-K. Habermann)

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