
Immer müde
Guter Schlaf ist enorm wichtig, um am nächsten Tag einen guten Tag zu haben. Aber auch um gesund zu bleiben, sich zu regenerieren, das Schulpensum zu schaffen und Lust auf […]

Knapp die Hälfte aller Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren hat bereits eine künstliche Intelligenz zu Gesundheitsproblemen oder Symptomen befragt oder befragt sie sogar regelmäßig. Das besagt die aktuelle Sinus-Jugendstudie der BARMER. Das Vertrauen in KI-generierte Tipps ist groß, ein Trend, der Besorgnis erregt.
„Dr. Google“ wurde längst ersetzt durch „Dr. ChatGPT“, doch der ist nicht weniger gefährlich. Häufig fehlt das Wissen, die digitalen Informationen richtig zu bewerten und verantwortungsvoll damit umzugehen.
Bereits ein Drittel der Jugendlichen nutzt bei psychischen Problemen einen digitalen Chatbot als Ersatz für echte Gespräche. Doch psychologische Ratschläge einer KI können Symptome sogar verschlimmern, warnen Psychotherapeuten.
Von Mental-Health-Fragen über Körperbilder, den Umgang mit Influencern oder Datenschutz – das Thema ist komplex. Der digitale Doc erstellt Ernährungs- und Trainingspläne und gibt Tipps gegen Bauch- oder Rückenschmerzen. Das Problem: Die KI-Vorschläge klingen überzeugend, sind oft aber frei erfunden.
Die Flut an digitalen Gesundheitsangeboten stellt nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für viele Erwachsene eine echte Herausforderung dar. Mit dem Präventionsprogramm „Durchbl!ckt“ will die BARMER die digitale Gesundheitskompetenz in allen Altersgruppen fördern. Das Programm richtet sich deshalb mit verschiedenen Angeboten an Lehrende, Eltern, Kinder und Jugendliche.
„Die Vielzahl der Informationen im Netz ist einfach überwältigend, und da ist so viel Falsches dabei“, warnt Projektleiterin Astrid Funken. Sie betreut das Programm seit einigen Jahren und weiß, was mangelndes Wissen anrichten kann. „Das kann unglaubliche Konsequenzen haben. Es kann dazu führen, dass Jugendliche sich körperlichen Schaden zufügen, indem sie zum Beispiel eine Substanz einnehmen, die gefährlich ist.“ Falsche Informationen auch als solche zu erkennen, fällt selbst vielen Erwachsenen nicht immer leicht. „Es reicht nicht zu sagen, diese Quelle ist richtig und diese Quelle ist falsch. Wir müssen sie in die Lage versetzen, Kriterien zu kennen, nach denen man Quellen prüfen kann“, sagt Astrid Funken.

Ein großes Problem sieht Astrid Funken auch in großen Wissenslücken, etwa, wenn es um Datenschutz geht. So werden teils sehr private Informationen oder Fotos geteilt: „Wenn man sich irgendwo anmeldet und Cookies oder Freigaben zum Tracking zulässt, ist das ein riesiges Thema. Da sollte man sich bewusst machen, was damit passiert.“ Wo diese Informationen im schlimmsten Fall landen können, ist vielen nicht bewusst. Hier hilft nur Information und Aufklärung – auch durch Eltern und Lehrende.
Die drei unterschiedlichen Bereiche der Plattform sind an die jeweiligen Themen und Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst: „Kinder und Jugendliche müssen anders und auch von unterschiedlichen Stellen angesprochen werden. Solche Instanzen wie Schule sind ganz wichtig, weil die eine andere Rolle haben als zum Beispiel Eltern.“
Für Lehrende bietet das Programm kostenfreie Unterrichtsmaterialien für den Einsatz in verschiedenen Schulfächern und Altersstufen. Auch Fortbildungen durch Online-Module sind möglich. Schulen können sogar eine Auszeichnung als „digital gesundheitskompetente Schule“ erwerben. Außerdem gibt es Anleitungen zu Achtsamkeitstrainings, Online-Vorträge, Blog und Newsletter.
Auch Eltern können sich in einem auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Blog oder per Newsletter informieren. Die Kategorien des Ratgebers sind unter anderem Cybermobbing, Smartphonenutzung, Lerntypen und vieles mehr. Für Familien sind ebenfalls Achtsamkeits- und Entspannungsübungen im Angebot.
Für Schüler und Schülerinnen gibt es einen speziell zugeschnittenen Blog rund um Themen wie Fake News, Social Media und viele weitere. In einem Podcast informieren junge Hosts über Gaming-Sucht, Onlinefreundschaften und mehr. Ein Quellen-Checker hilft zu erkennen, welche Gesundheitsinformationen zuverlässig sind und welche nicht.
Viele Eltern und Lehrende sind sich der Problematik durchaus bewusst, doch im Familien- oder Schulalltag fehlen oft die Zeit oder der Raum dafür. Deshalb wird das Präventionsprogramm meist dankbar angenommen, bereits über 10.000 Schulen sind bisher beteiligt.
„Wir müssen dafür Sorge tragen – und das gehört zum Auftrag der Krankenkassen – , dass die Menschen besser in der Lage sind, ihre eigene Gesundheit zu gestalten. Sie brauchen mehr Gesundheitskompetenz. Aber wie findet man sich in der Vielzahl der Anbieter zurecht? Sie suchen vielleicht ein digitales Angebot zum Thema Bewegungsförderung, können aber nicht beurteilen, ob es qualitätsgesichert ist, ob es wirklich hilft. Dieses einfache Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass jeder Einzelne über grundlegende Kompetenzen in Sachen Gesundheit und Einordnung digitaler Angebote verfügt.“ Astrid Funken ist überzeugt: „Mit dem Erwerb dieser Kompetenzen kann man gar nicht früh genug anfangen, egal, ob es um gesunde Ernährung, Bewegung oder Stressreduzierung geht. In Zukunft wird jeder Einzelne viel stärker aufgefordert sein, sich um seine eigene Gesundheit zu kümmern. Sonst können wir den wachsenden Belastungen gar nicht mehr standhalten.“
Das Programm finden sie unter: www.durch-blickt.de
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