Bericht im Internet: „In den Augen beliebter Kuscheltiere sind Kameras und Mikrofone eingebaut, um Kinder auszuspionieren.“ Video: „In Berlin klettert eine Ratte an einem Dönerspieß hoch.“ Der Mediziner, Autor und Journalist Eckart von Hirschhausen wirbt auf Social Media für fragwürdige Gesundheitsprodukte. Wahr oder falsch? All diese Meldungen sind ebenso „erstunken und erlogen“ wie unzählige (Des-)Informationskampagnen über Politik und Politiker, Konflikte und Kriege.
Schon für Erwachsene wird es immer schwieriger, Richtiges und Erfundenes im Internet, besonders den sozialen Netzwerken, zu unterscheiden. Wie viel komplizierter ist das für Kinder und Jugendliche ohne Lebenserfahrung und Hintergrundwissen! Etwa ein Viertel der Teenager nutzen YouTube, TikTok oder Wikipedia, um sich zu informieren.
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest führt regelmäßig Studien zum Mediengebrauch junger Leute durch. Seine so genannten JIM-Studien (Jim: Jugend, Information, Medien) zeigen einen steigenden Kontakt mit Desinformation, Verschwörungstheorien und Hassbotschaften. Ein Drittel der Jugendlichen prüft Informationen nicht, bevor sie diese in sozialen Netzwerken teilen. Das gilt für Schüler an nicht-gymnasialen Schulformen mehr als für Gymnasiasten.
DER SIEGESZUG DER DESINFORMATION
Das Problem vieler Falschmeldungen („Fake News“) ist: Sie sind auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen. Das macht sie so gefährlich. Obwohl die vermeintlichen Fakten darin nicht den Tatsachen entsprechen, werden sie über die sozialen Netzwerke immer weiter verbreitet. Dadurch erreichen sie immer mehr Nutzer, was ihre Glaubwürdigkeit scheinbar erhöht. Denn wenn ein Beitrag schon hunderttausendfach weitergeleitet wurde, muss er ja stimmen, ist die weit verbreitete Annahme.
Mehr als jeder zweite Jugendliche in Deutschland (ca. 61–69 Prozent) fühlt sich unsicher beim Erkennen von Falschnachrichten im Internet.
WARUM SIND FAKE NEWS AUF DEM SIEGESZUG?
Das hat viel mit Psychologie zu tun. „Wir neigen dazu, bevorzugt Nachrichten und Informationen aufzunehmen, die in unser Weltbild passen“, erklärt Ralf Hohlfeld, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Passau.
Bei der Informationsflut, der wir heute ausgesetzt sind, haben wir das Bedürfnis nach einem Schutzmechanismus gegenüber widersprüchlichen Inhalten. Und so glauben wir nur Medieninhalten, die unsere Überzeugungen bestätigen und mit unserem Weltbild übereinstimmen.
Fake News sind erfolgreich, weil sie aufregend und empörend sind. Deshalb verbreiten sie sich bis zu sechsmal schneller als wahre Nachrichten, ergab eine Studie des MIT in Boston.
Das geht so weit, dass Desinformationen sogar dann geteilt werden, wenn sie bereits widerlegt wurden.
RECHERCHE IST DAS A UND O!
Sobald Kinder anfangen, sich mit dem Internet zu beschäftigen, müssen sich Eltern ausreichend Zeit nehmen, um sich gemeinsam mit ihren Kindern durch das Gewirr von Nachrichten und Falschmeldungen zu bewegen. Denn nur so können sie zu kritischen, kompetenten und resilienten Nutzern werden.
Es ist zwar aufwendig und oft schwierig, den Wahrheitsgehalt einer Meldung zu überprüfen, doch findet man immer wieder die gleichen Muster. Auf folgende Punkte kann man eine Nachricht überprüfen und damit einschätzen, ob es sich um eine Fake News handelt.
Der Schreibstil ist häufig emotional, sensationsheischend, stellt viele Fragen und verwendet häufig Ausrufezeichen.
Wer ist der Autor oder die Autorin? Fehlende Urheber sind oft ein Hinweis auf Fake News. Auch ein Blick ins Impressum der jeweiligen Seite ist hilfreich. Laut Gesetz müssen Betreiber einer Webseite eine vollständige Adresse angeben.
Woher stammt die Meldung, wo hat sie ihren Ursprung? Um dahinterzukommen hilft es, eine Passage der Nachricht in eine Suchmaschine einzugeben. Dann heißt es: Zahlen, Daten, Fakten und Studien vergleichen. Stimmen die genannten Aussagen mit Originalmeldungen überein, spricht es für den Wahrheitsgehalt des Artikels.
Verwendete Bilder lassen sich ebenfalls auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Dafür muss ein Screenshot in die Bilder-Rückwärtssuche eingegeben werden. So findet man den Ursprung der Bildquelle. Besonders wichtig ist das auch deshalb, weil Fälschungen immer einfacher werden und immer realistischer aussehen, seit Bilder mit KI kreiert werden können.
Vor allem müssen Kinder und Jugendliche dafür sensibilisiert werden, ungeprüfte Inhalte nicht zu liken oder zu teilen. Denn nur so wird der Fluss von Fake News im Internet eingeschränkt.
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