
Immer müde
Guter Schlaf ist enorm wichtig, um am nächsten Tag einen guten Tag zu haben. Aber auch um gesund zu bleiben, sich zu regenerieren, das Schulpensum zu schaffen und Lust auf […]

Rund 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche haben einen problematischen oder sogar krankhaften Internetkonsum. Über kaum ein anderes Thema wird in Familien so viel gestritten. Um zu einem gesunden Umgang mit digitalen Medien zu finden, soll eine kostenlose App lebensnahe Unterstützung für die ganze Familie bieten.
Egal, ob in der Schule oder zu Hause: Das Handy ist immer dabei. Und damit oft auch der Zugang zu Internet, sozialen Medien, Online-Spielen, Streaming-Diensten. Eine Frage, die sich Eltern deshalb häufig stellen: Wie viel und wie lange ist gesund? Leiden Schule oder Freizeitaktivitäten darunter, ist der Konflikt vorprogrammiert. Die Folgen der Onlinesucht sind mit denen anderer Suchterkrankungen vergleichbar: Schlafstörungen, aggressives Verhalten, Konzentrationsprobleme, soziale Isolation.
Ab wann der Punkt von „zu viel“ erreicht ist, lässt sich nicht in Stunden oder Tagen messen. „Ein wichtiges Alarmsignal für eine zu hohe Nutzung ist, wenn Medien eine größere Rolle spielen als alle anderen Dinge im Alltag, wenn Hobbys und frühere Aktivitäten zugunsten des Internets beendet werden“, berichtet Daniel Ott. Aus seiner Arbeit in der Suchtberatung kennt er auch extreme Fälle, wenn etwa Jugendliche nicht einmal mehr Zähne putzen oder kaum duschen können, ohne das Handy für die paar Minuten zur Seite zu legen. Auch wenn das nur seltene Ausnahmefälle sind, die Zahl mediensüchtiger Kinder und Jugendlicher ist alarmierend und inzwischen seit mehreren Jahren auf hohem Niveau.
Ott ist Gesundheitspädagoge und Projektleiter von freii, einem Programm, das Familien dabei unterstützen soll, Mediennutzung und Freizeit gut miteinander zu vereinbaren und einer Mediensucht vorzubeugen.
Die beiden ii in freii stehen als Wortspiel symbolisch für Kinder sowie Jugendliche und Erwachsene, die sich auf Augenhöhe begegnen.
Denn nicht selten haben auch Erwachsene ein Problem mit exzessiver Internetnutzung. Bei Kindern und Jugendlichen kommt es dann gut an, wenn auch ihre Eltern Bereitschaft zeigen, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern.
freii – 21 Tage Training für bewusste Mediennutzung
Das Programm der App richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren, Eltern, Großeltern, Lehrer und andere Bezugspersonen. Ziel ist es, spielerisch Informationen zu vermitteln und Tipps zu geben, um Risikofaktoren wie emotionale Belastungen, mangelnde Freizeitstrukturen, fehlende Regeln oder eine schlechte Kommunikation in der Familie zu verringern. Gleichzeitig werden Faktoren gefördert, die zum Schutz beitragen können: klare Regeln für den Umgang mit Medien, gemeinsame Aktivitäten und ein guter Austausch.
Das Training mit der App ist auf einen Zeitraum von 21 Tagen angelegt. In den drei Wochen gibt es täglich kurze Challenges zwischen drei und sieben Minuten Länge. Es werden Aufgaben gelöst und Tests absolviert – allein oder im Team mit der ganzen Familie. Vier junge Guides führen durch die Übungen, Videos und Aufgaben. Eltern werden aktiv mit einbezogen und erhalten in einem separaten Programm Tipps zur Medienerziehung.
Durch das Wissen, das über die App vermittelt wird, können Kinder und Jugendliche die Risiken der Onlinesucht besser erkennen. Sie lernen die Verführungsstrategien digitaler Plattformen kennen und können sich so besser davor schützen. Die Nutzung der App ist kostenlos.
Weitere Informationen unter www.freii.de
Um einer problematischen Nutzung digitaler Medien vorzubeugen, können schon einfache Dinge viel bewegen, weiß der Gesundheitspädagoge aus seinem Arbeitsalltag: „Ein Schutzfaktor besteht darin, gemeinsame Familienzeiten zu verabreden, wie zum Beispiel das Essen, um miteinander sprechen zu können. Ab und zu etwas zusammen unternehmen, ist ebenso wichtig. Das muss kein teurer Ausflug sein. Es geht auch um ganz banale Dinge, wie gemeinsam mit dem Hund spazieren zu gehen.“
Wie man die gemeinsame Zeit gestalten und Freizeitpläne ohne Handy oder Computer schmieden kann – auch dafür bietet die App Anregungen.
Es geht nicht darum, Handy oder Computer zu verbieten, betont Daniel Ott. „Um das Verhalten zu ändern, brauche ich Wissen“, ist er überzeugt. „Wenn die Jugendlichen verstehen, worum es geht, ist auch die Bereitschaft größer, Regeln einzuhalten.“ Regeln, die im besten Fall auch für alle Familienmitglieder gelten.
Das Wichtigste ist, im Gespräch zu bleiben, um gesundheitliche Probleme oder Leistungsabfälle in der Schule zu vermeiden. Und das möglichst ganz ohne Streit.
Diagnose: Internetnutzungsstörung (kurz: INS)
Bei einer Internetnutzungsstörung handelt es sich um eine psychische Störung, die mit verhaltensbezogener Sucht und Abhängigkeit einhergeht. Der Begriff beschreibt ein unkontrolliertes Online-Verhalten mit schädlicher Nutzung des Internets. Er fasst mehrere Formen zusammen: Online-Spielsucht (Computerspielstörung), Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung und Online-Shopping-Sucht. Ab 12 Monaten anhaltender riskanter Nutzung spricht man von krankhafter Mediennutzung.
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