Karies im Kindesalter – Gefahr fürs Herz im späteren Leben

Von Michael Erler
Kind isst Süßigkeiten. Mädchen hat Karies auf den Zähnen.

Nuckelflaschen, gefüllt mit Fruchtsaft oder anderen süßen Getränken, Quetschies mit Fruchtmus, süße Joghurts, Naschereien aller Art – die Welt der Kleinsten ist zuckersüß. Die Kehrseite der Medaille: Diese Flut an zuckerhaltigen Getränken und Speisen ist der ideale Nährboden für Karies und Gingivitis, also einer Entzündung des Zahnfleisches. Viele Kinder sind davon betroffen und rund 80 Prozent der 3- bis 6-Jährigen haben frühkindliche Karies an einem oder mehreren Milchzähnen. Nun könnte man denken, das ist nicht so schlimm, denn die Milchzähne verliert das Kind sowieso. Ein fataler Trugschluss.

ALARMIERENDE ZAHLEN BEI KLEINKINDERN

Der Milchzahnschmelz ist deutlich dünner und anfälliger als der Zahnschmelz von nachwachsenden Zähnen. Etwa 10 bis 15 Prozent der unter Dreijährigen haben bereits kariöse Milchzähne. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu dem typischen dunklen Loch im Zahn. Spätestens dann ist ein Zahnarztbesuch dringend erforderlich, denn Karies im Milchzahngebiss kann gravierende Folgen haben. Es besteht die erhöhte Gefahr, dass auch die bleibenden Zähne später an Karies erkranken. Um all dem vorzubeugen, ist regelmäßige Zahnpflege bereits in jungen Jahren unbedingt notwendig. Denn Karies greift nicht nur die Zähne an, sie ist auch ein Wegbereiter für spätere Herzerkrankungen oder Diabetes Typ 2.

KARIES ERHÖHT DAS RISIKO FÜR HERZINFARKTE UND SCHLAGANFALL

Mit frühzeitig beginnender gründlicher Mundhygiene sorgen Kinder nicht nur für gesunde Zähne im Erwachsenenalter, sondern auch ganz allgemein für ihre  Gesundheit.
Forschende der Universität Kopenhagen, des dänischen Krebsinstitutes und des University College London veröffentlichten im International Journal of Cardiology erstaunliche Erkenntnisse. Sie verglichen in einer Langzeitstudie Daten von über einer halben Million dänischer Kinder, die zwischen 1960 und 1980 geboren wurden. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen griffen auf Erhebungen des nationalen Kinderzahnregisters der dänischen Gesundheitsbehörde sowie auf Daten des dänischen Patientenregisters für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zum Jahr 2018 zurück. Sie stellten fest, dass Menschen, die als Kinder mehrere Zahnlöcher hatten oder unter schweren Zahnfleischentzündungen litten, ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Erkrankungen der Herzkranzgefäße hatten. Kinder mit mehreren Zahnlöchern entwickelten im Erwachsenenalter bis zu 45 Prozent öfter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verglichen mit Kindern mit wenigen Zahnlöchern. Auch bei Kindern mit häufigen Zahnfleischentzündungen stieg das Risiko um 41 Prozent.

„Wir vermuten, dass starke Entzündungen in Form von Zahnfleischentzündungen und Zahnkaries bereits in der Kindheit beeinflussen, wie der Körper später auf Entzündungen reagiert“, sagt Nikoline Nygaard, eine der Studienautorinnen von der Universität Kopenhagen. In einer weiteren Studie untersuchten Nygaard und ihre Kollegen, ob Mundgesundheit und Typ-2-Diabetes miteinander in Verbindung stehen könnten. Auch hier das überraschende Ergebnis: Kinder mit starken Zahnfleischentzündungen hatten Jahre später ein 87 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes. Noch ist nicht restlos geklärt, inwiefern mangelnde Mundgesundheit  die späteren Erkrankungen genau verursacht.

Dennoch zeigen die Ergebnisse deutlich, dass eine gute Zahnhygiene eine gute Gesundheitsversicherung ist. Je früher Eltern mit ihren Kindern gründliches Zähneputzen einüben, desto besser.

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