Energy Drinks und ihre Folgen für die Psyche

Von Michael Erler
Teenager, der lernt und Energy-Drinks konsumiert


Stellen sie sich vor, im Café sitzt ihnen gegenüber ein junges Paar zusammen mit seinem neunjährigen Sohn. Die Eltern bestellen sich jeweils einen süßen Longdrink – und für das Kind einen doppelten Espresso oder am besten gleich zwei. Unvorstellbar? Nein, durchaus nicht. Es geschieht tausendfach am Tag. Natürlich nicht in Cafés, aber zu Hause, beim Sport, beim Spiel oder zusammen mit Freunden. Kinder trinken Energydrinks, und natürlich wissen das auch ihre Eltern, denn sie kaufen ja die Getränkedosen. Die Drinks enthalten oft deutlich mehr Koffein als ein Espresso.

DER KICK MIT DER ERFRISCHUNG

Sehr viele Kinder und Jugendliche lieben Energydrinks, denn sie schmecken vor allem süß. Sie bewirken, dass sich die Kids frisch, aktiv, angespornt und gut gelaunt fühlen. Die Energie stellt sich sofort ein, und das begeistert die Jugendlichen. Nach einer Stunde allerdings lässt die Wirkung nach. Grund genug, eine weitere Dose zu trinken.
Die Drinks sind heute in jedem Supermarkt präsent. REWE, Aldi oder Lidl zum Beispiel verkaufen neben diversen Eigenmarken die bekanntesten Energiedrinks: Red Bull, Monster oder Rockstar-Energydrink. In Deutschland gibt es kein gesetzliches Mindestalter für den Kauf und Verzehr. Andere europäische Länder sind da schon weiter. In Litauen, Lettland, Norwegen, Schweden und Polen gelten Altersbeschränkungen für den Kauf von Energydrinks.
Mediziner warnen schon seit Jahren: Bereits geringe Mengen ständigen Konsums von Energydrinks können zu Schlafproblemen, erhöhtem Blutdruck und Herzrasen führen, denn die Drinks enthalten große Mengen an Zucker und Koffein. Pro Dose (0,25 Liter) enthalten die Getränke durchschnittlich neun Stück Würfelzucker, das entspricht etwa 30 Gramm. Nach dem Trinken kommt es zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels, der in Kombination mit dem enthaltenen Koffein zu einer Steigerung von Konzentration und Leistungsfähigkeit führt.
Doch beim übermäßigen und vor allem regelmäßigen Konsum von Energydrinks können bei Kindern und Jugendlichen die Entwicklung von Übergewicht und ein Typ-2-Diabetes begünstigt werden.

WERBUNG OHNE WARNUNG

Von all diesen Risiken ist bei Werbung und Vermarktung der Energydrinks kaum etwas zu hören, zu lesen oder zu sehen.
Werbung für Energydrinks ist allgegenwärtig und nimmt besonders Minderjährige ins Visier. Mit Social Media, Sportsponsoring, Gaming oder Verpackungsdesign werden gezielt die jungen Konsumenten angesprochen. Auf den Dosen locken aggressive Gorillas, wütende Bullen oder Monsterkrallen mit Action und Spaß.
Gezielt werden auch Influencer und Influencerinnen eingesetzt, um das junge Publikum anzusprechen, sie mit den Marken in Kontakt zu bringen und somit rasch zu Konsumenten zu machen.

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) trinkt in Europa etwa jedes fünfte Kind zwischen sechs und zehn Jahren Energydrinks. Kinder und Jugendliche sollten jedoch gemäß der Empfehlung der EFSA pro Tag nicht mehr als 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen. Der Koffeingehalt einer Dose Energydrink kann zwischen 80 und 200 mg liegen. Zum Vergleich: 250 ml Kaffee enthalten 90 mg und 500 ml Cola 34 mg Koffein.
Koffeinkonsum ist bei Kindern und Jugendlichen generell bedenklich: Bereits geringe Mengen Koffein können Schlafprobleme auslösen oder zu erhöhtem Blutdruck und Herzrasen führen. Besonders riskant wird es in Kombination mit Sport oder Alkohol. Mediziner und Medizinerinnen warnen deshalb schon seit Jahren vor den Risiken der koffeinhaltigen Getränke.

Auch die Psyche nimmt Schaden
Eine umfangreiche Meta-Studie des Centre for Transnational Research in Public Health an der Teesside University und der Newcastle University aus dem Jahr 2024 wertete die Daten aus 57 Studien mit mehr als 1,2 Millionen Kindern und Jugendlichen aus über 21 Ländern aus. Die Ergebnisse zeigten, dass der Konsum von Energydrinks mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen verbunden ist, darunter Angstzustände, Stress, Depressionen und Suizidgedanken. Amalia Lake, Professorin für Public Health Nutrition an der Teesside University, sagt: „Energydrinks werden bei Kindern und Jugendlichen als Mittel zur Steigerung von Energie und Leistungsfähigkeit beworben, doch unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie mehr Schaden als Nutzen anrichten.“
Der Konsum dieser Getränke wird zudem mit einem erhöhten Risiko für schlechte schulische Leistungen, Schlafproblemen und ungesunden Ernährungsgewohnheiten in Verbindung gebracht.

FAZIT

Der gelegentliche Genuss einer Dose Energydrink stellt natürlich noch kein gesundheitliches Risiko dar, aber wer die Koffeingetränke zu häufig oder in zu hohen Konzentrationen zu sich nimmt, der muss mit gesundheitlichen Risiken rechnen. Regelmäßiger Konsum kann zu den beschriebenen unerwünschten Nebenwirkungen führen. Die Wirkung von Koffein wird oft unterschätzt – so bleibt es meist nicht bei einer Dose Energydrink. Besonders kritisch ist, dass Energydrinks extrem süß sind, um den bitteren Geschmack des Koffeins zu überdecken. Dadurch werden große Mengen in kurzer Zeit getrunken und die verträglichen Koffeinhöchstdosen bei Kindern und Jugendlichen rasch überschritten.
Deshalb fordern die Verbraucherzentralen ein Verkaufsverbot für alle Erfrischungsgetränke mit einem erhöhten Koffeingehalt (über 15 mg pro 100 ml), wie es bereits in einigen europäischen Ländern existiert. Dazu zählen insbesondere Energydrinks.

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