Wochenplan oder Zufallsrezept: Was koche ich heute?

Von Felicity Jecada
Kochbuch mit verschiedenen Gemüsen und Vintage-Küchenutensilien

Kochen soll Spaß machen. Aber jeden Tag etwas anderes auf den Tisch zu bringen, das zudem gesund ist und gut schmeckt, kann anstrengend sein. Das kennt auch Jenny Böhme. Die Mutter von drei Kindern hat aus der Not eine Tugend gemacht und den Foodblog „Familienkost“ gegründet. Auf ihren Social-Media-Kanälen findet man nicht nur jede Menge familientauglicher Rezepte, als Highlight kann man sich Essenspläne für die ganze Familie zusammenstellen lassen. Die Kinderstube spricht mit Jenny Böhme.

Kinderstube: Liebe Jenny, erstmal herzlichen Glückwunsch zu deinem großen Erfolg mit all den Superlativen: über 300.000 Follower allein auf Instagram, dazu 15,6 Millionen monatliche Blogaufrufe, zahlreiche Buchveröffentlichungen usw. Wie geht es dir damit?
Jenny Böhme: Ich bin schon stolz auf das alles, denn im Grunde ist es aus meinem Hobby entstanden. Ich mache nun beruflich, was mir Spaß macht, und es ist schön, dass es so gut ankommt.

Kinderstube: Das tut es in der Tat. Und obwohl du mit deinem Foodblog sehr schnell erfolgreich wurdest und als Dreifach-Mama ohnehin viel zu tun hattest, hast du noch ein Fernstudium zur Ernährungsberaterin absolviert, mit anschließendem Aufbaustudium, in dem du dich auf die Beratung für Säuglinge und Jugendliche spezialisiert hast. Wieso waren dir diese Weiterbildungen so wichtig?
Jenny Böhme: Ich will, dass das, was ich schreibe, Hand und Fuß hat, sodass meine Leser und Leserinnen mir wirklich vertrauen können. Zur Sicherheit habe ich deswegen diese Weiterbildungen gemacht. Tatsächlich war es dann so, dass ich in den Vorlesungsunterlagen zum Teil schon zitiert wurde. Mit meinem eigenen Blog. „Gut“, dachte ich, „dann ist es ja richtig, wie ich das alles mache.“

Kinderstube: Wenn du familienkost.de mit drei Worten beschreiben solltest, was würdest du sagen?
Jenny Böhme: Einfach. Schnell. Gesund. Das heißt, mein Foodblog bietet Familien einfache Rezepte für jeden Tag, die immer gelingen, mit Zutaten, die man überall erhält und die sich leicht für jeden Geschmack anpassen lassen. Das ist wichtig, denn vielleicht hat man in der Familie jemanden, der vegetarisch essen will. Außerdem gibt es Allergiker, Picky Eater oder …

Kinderstube: Moment! Picky Eater? Also wählerische Esser?
Jenny Böhme: Ja, genau. Manche von ihnen brauchen alles getrennt auf dem Teller. Viele Kinder sind Picky Eater, aber auch viele Erwachsene. Deshalb haben wir gerade einen Picky-Eater-Test online gestellt. Und es gibt noch zahlreiche weitere Ess-Typen am Familientisch. Ich thematisiere das detailliert und auf heitere Art und Weise in meinem neuen Buch „Das gibt’s jetzt öfter“. Also: Woran erkennt man sie? Und wie kann man sich selbst die Küche so anpassen, dass man mit einem Rezept alle glücklich macht?

Kinderstube: Und wie kann das gelingen? Hast du ein Beispiel?
Jenny Böhme: Wenn ich die Rezepte für familienkost.de kreiere, denke ich sie mir ja nicht alle komplett neu aus, sondern ich überlege: Was haben unsere Eltern, unsere Großeltern gemocht? Was würden meine Kinder essen? Was sind neue Trends? All das fließt zusammen. Aber Rezepte und Rezeptbilder mit Zwiebelringen oder superviel Grünzeug als Deko obendrauf, das gibt es bei familienkost.de nicht. Welches Kind isst denn das? Zwiebeln und Kräuter gern, aber im Gericht versteckt. 

Kinderstube: Das ist sehr schön mitgedacht aus Sicht der Kinder und derjenigen, die kochen müssen.
Jenny Böhme: Ja, es wurde bei mir selbst wichtig, als ich Mutter wurde. Mein Mann war beruflich viel unterwegs und die Großeltern wohnten weit weg. Also musste ich kochen – für unsere drei kleinen Kinder, die rund um die Uhr an mir geklebt haben. Ich hatte kaum Zeit und Nerven dafür, doch ich wollte, dass es gesund ist und lecker. Nach und nach bin ich so auf diese ganzen „Baukasten-Rezepte“ und Tricks gekommen, mit denen man irgendwie doch alle glücklich machen kann. Das habe ich dann einfach aufgeschrieben, zunächst für die Allerkleinsten in meinem Foodblog breirezept.de und inzwischen hauptsächlich auf familienkost.de. Die Bücher sind auf Wunsch von Followern dann noch dazu gekommen.

Kinderstube: Apropos Follower: Auf Social-Media und in Buch-Rezensionen loben sie besonders den Wochenplan. Den gibt es auch per App. Du stellst ihn Woche für Woche kostenlos zur Verfügung. Alternativ kann man mit dem Zufallsrezept-Generator würfeln, auch im Familienkreis.
Jenny Böhme: Und das macht wirklich Laune.
Terence Böhme, der Ehemann von Jenny Böhme, kommt zum Interview dazu und ergänzt: Der Wochenplanist auch das, was ein großes Stück weit den Erfolg von familienkost.de ausmacht. Zehntausende von Familien nutzen ihn jeden Monat. Man kann dafür eigene Gerichte planen oder man lässt ihn sich von Jenny vorgeben. Da liegt dann eine Logik dahinter, die fragt zum Beispiel ab: In welcher Saison sind wir gerade? Sommer? Also wirst du jetzt keinen Spargel mehr bekommen. Oder es gibt dreimal die Woche vegetarisch im Standardplan, vielleicht zweimal Fleisch und einmal Fisch. Es läuft viel im Hintergrund, doch für den Nutzer ist die Bedienung vom Wochenplan sehr einfach und vor allem mit offenem Zugang für alle.
Jenny Böhme: Außerdem haben wir noch das Resteverwertungstool. Da kann man eingeben: Was bietet mein Kühlschrank noch? Und dann filtert das Tool die Rezepte mit den entsprechenden Zutaten. Das ist eine schöne Sache im Hinblick auf Sparen und Nachhaltigkeit.

Jenny Böhme mit Familienkostmaskottchen Kört ©Felicity Jecada
Jenny Böhme mit Familienkostmaskottchen Kört ©Felicity Jecada

Kinderstube: Jenny, ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor von familienkost.de scheint mir auch zu sein, dass es ein Familienprojekt ist. Dein Mann und deine Kinder, inzwischen allesamt Teenager, sind von Anfang an mit im Team. Und dann ist da auch noch Kört.
Jenny Böhme: Ja, genau. Gemeinsam entwickeln wir neue IT-Features, machen Video-Drehs, kreieren Rezepte und Produkte für unseren Shop. Ein Beispiel ist der kindgerechte Wellenschneider für Gemüse, denn ein Dauerbrenner in der Social‑Media‑Community ist das Thema: „Meine Kinder essen kein Gemüse. Was kann ich tun?“ Eine große Hilfe ist da auch unser Maskottchen Kört. Wenn er dabei ist, dann sind die Kinder immer am Start und motiviert. Er verbreitet einfach gute Laune.

Ähnliche Beiträge, die Sie auch interessieren könnten