Vielfalt ist das neue Normal

Von Ingrid Exo

Adam geht in die Igelklasse, Igelzwei, um genau zu sein, in die zweite Klasse nämlich. Von der ersten Klasse, findet er, gibt es nicht viel zu erzählen, denn da konnte er eh noch nicht richtig Deutsch.

Adam kommt nämlich aus Polen, und seine Mutter arbeitet als Kostümbildnerin am Theater. Vater und Großvater hat seine „Klecksfamilie“ auch noch (für polnische Verhältnisse ist diese Familie nämlich klein wie ein Klecks), und Adam ist in Polen ein so gebräuchlicher Name, dass auch Vater (Kasimir Adam) und Großvater so heißen (Marek Adam). Und nicht nur das erfährt man über Polen, wer will, kann sogar ein paar Brocken Polnisch lernen. Nämlich die, die im Buch eingestreut und hinten aufgelistet sind. Beispielsweise, dass Papa auf Polnisch Tata heißt und Opa Dziadek. Ein Rezept für Bigos, ein typisches polnisches Eintopfgericht mit Sauerkraut, gibt es auch noch dazu.

Adam führt als Erzähler durch diesen Band (den ersten von dreien) der Weltklasse-Reihe. Die heißt so, weil ihre Lehrerin, Frau Meister, findet, dass sie mit so vielen Schülern aus zig Nationen gar nicht vor die Tür gehen muss, um eine Weltreise zu machen.
Man kann sich vorstellen, dass in einer solchen Klasse immer was los ist und auch, dass es nicht immer ganz einfach ist, alles und alle unter einen Hut zu bringen.

Damit das einigermaßen reibungslos funktioniert, gibt es gemeinsame Regeln (Igelkinder sind alle gleich wichtig, Igelkinder lassen alle mitmachen und noch ein paar mehr) und ein Geschichtenbuch, in das jedes Kind seine persönliche Geschichte schreiben kann, wenn es mag.

Insgesamt geht es ein bisschen zu wie in der Villa Kunterbunt. Fantasievoll und bisweilen abenteuerlich, herzlich und anteilnehmend. Und alles in allem wie in einer heilen, ja idealen Welt. Aber eben auch ein bisschen wie im Bilderbuch mit Charakteren wie dem einen Hauch weltfremden, aber liebenswerten, stets präsenten Hausmeister Schrecklich und der tatsächlich ein bisschen schrecklichen Rektorin Grützkow. Und der weltbesten Klassenlehrerin, die auch auf zwei Fingern pfeifen kann.

Eines der großen Klassenerlebnisse ist die Reise zu den Dinosauriern nach Frankfurt. Hinterher baut die Klasse gemeinsam einen riesigen Stegosaurus aus Pappmaché, der, wie sich zeigen wird, über besondere Kräfte verfügt – oder zumindest ungeahnte Kräfte verleiht – und für eine solidarische Spendenaktion gut ist. (Im zweiten Band wird er dann eine Hauptrolle spielen.) Außerdem gibt es die zu Heldentaten befähigte Maus Karol, die Adam eines Morgens zugelaufen ist, eine Pyjamaparty und Spuk in einem leerstehenden Geschäft.

Adam findet, dass die Igelklasse nicht nur Weltklasse, sondern die beste Klasse der Welt ist, und dass es sich für eine Igelklasse lohnt, nach Deutschland zu kommen. Da bleibt nur zu wünschen, dass diese Klasse Schule macht!

Buchcover Wir sind die Weltklasse!

Tanya Lieske (Autorin), Sybille Hein (Illustratorin)
Wir sind (die) Weltklasse
Band 1 (bisher 3 Bände)
Verlag: Hanser
Alter: ab 7

Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2025
www.hanser-literaturverlage.de/buchspecials/wir-sind-die-weltklasse-c-155

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