
Wie gesund ist Fertigessen?
„Wenn etwas eintönig schmeckt, essen wir mehr davon“ Lars Selig ist Leiter des Ernährungsteams der Universitätsklinik Leipzig. Er und sein Team kümmern sich um Menschen mit Stoffwechselerkrankungen und um Patienten, […]

Eine Blinddarmoperation ist eine der häufigsten chirurgischen Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen. Unklar war bislang, ob die Behandlung mit Antibiotika gegenüber der Operation gleichwertig ist. Eine internationale klinische Studie kam nun zu einem eindeutigen Ergebnis.
Hat Ihr Kind Bauchschmerzen, steckt manchmal ein ernster Grund dahinter: eine Blinddarmentzündung. Genaugenommen handelt es sich hierbei um die Entzündung des Wurmfortsatzes vom Blinddarm, also um eine Appendizitis.
Eine Blinddarmentzündung betrifft insbesondere die 10- bis 15-Jährigen und Jungen häufiger als Mädchen. Bei jüngeren Kindern kann sie ebenfalls auftreten, und hier ist sie für Ärzte deutlich schwerer zu diagnostizieren.
Das liegt zum einen daran, dass Kinder unter 10 Jahren oft gar nicht genau angeben können, wo im Körper etwas nicht stimmt. Klagen sie über Bauchschmerzen, sind die Eltern schnell alarmiert, doch letztlich stecken vielleicht eine Mittelohrentzündung oder Ängste dahinter – also nichts, was mit dem Bauch zu tun hat.
Zum anderen sind bei einer tatsächlich vorliegenden Blinddarmentzündung die Beschwerden nicht immer eindeutig. Typische Symptome sind starke, oft krampfartige Schmerzen in der Nabelgegend, später meist im rechten Unterbauch, (leichtes) Fieber, Übelkeit und eventuell Erbrechen – doch die treten insbesondere bei Kindern unter vier Jahren selten auf.
Der Blinddarm befindet sich im rechten Unterbauch. Er entsteht als blindes Ende jenseits der Einmündungsstelle vom Dünndarm in den Dickdarm. Am Blinddarm wiederum befindet sich ein wurmförmiger Anhang, der Wurmfortsatz (Appendix). Der Wurmfortsatz ist circa 8 cm lang, hat einen Eingang, aber keinen Ausgang. Damit ist er eine Sackgasse. Sammeln sich zum Beispiel Nahrungsreste darin, kann dies eine der möglichen Ursachen dafür sein, dass sich der Wurmfortsatz entzündet (Appendizitis).
Wird aber eine Blinddarmentzündung erst spät erkannt, besteht die Gefahr des Durchbruchs des entzündlich vergrößerten Wurmfortsatzes, was zu einer Bauchhöhlenvereiterung oder anderen Komplikationen führen kann. Deshalb gilt: Hat das Kind länger als drei Stunden unklare Bauchschmerzen, sollte man immer zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen. So bleibt auch noch genügend Zeit, abzuwägen, ob eine Behandlung mit Antibiotika in Betracht kommen kann. Da jede OP mit Risiken verbunden ist, versucht man gern, einen operativen Eingriff zu vermeiden.
Andererseits ist gerade die Blinddarmoperation nur ein kurzer chirurgischer Standardeingriff und zudem oft lebensrettend. Manchmal allerdings wird der Blinddarm völlig unnötig entfernt, weil die Symptome falsch gedeutet wurden. Da einschlägige Forschungen lange fehlten, war es oft nicht leicht zu entscheiden, welche Behandlungsmethode im jeweiligen Einzelfall die beste ist.
In der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet erschien im Januar 2025 das Ergebnis einer internationalen klinischen Studie, die sich speziell für Kinder mit der Frage auseinandergesetzt hat, ob Antibiotikum und Operation bei einer akuten, unkomplizierten Blinddarmentzündung gleichwertige Behandlungsmethoden sind.
Hierzu wurden 936 Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 16 Jahren nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die Antibiotikagruppe erhielt stationär eine mindestens 12-stündige intravenöse Gabe von Antibiotika und bekam anschließend 10 Tage lang das Antibiotikum ambulant in Form von Tabletten, Kapseln oder Saft. Bei der OP-Gruppe hingegen wurde der entzündete Blinddarm – richtiger sein Wurmfortsatz – sofort entfernt.
Schwere Nebenwirkungen oder Todesfälle traten in keiner der Gruppen auf. Das Risiko für leichte bis mittelschwere Nebenwirkungen war in der Antibiotikagruppe mehr als 4-mal höher als in der OP-Gruppe. Vor allem Magen-Darm-Beschwerden traten in der Antibiotikagruppe häufig auf. Andererseits benötigte diese Gruppe seltener Schmerzmittel als die Gruppe der Operierten, und sie konnte schneller zum normalen Alltag zurückkehren.
Am interessantesten war die Rate des Therapieversagensinnerhalb eines Jahres. Als Therapieversagen galt, wenn bei der Antibiotikagruppe noch eine Operation nötig wurde. In Bezug auf die OP-Gruppe galt als Therapieversagen, wenn ein gesunder, gar nicht entzündeter Wurmfortsatz entfernt wurde. Wie sich zeigte, mussten 34 Prozent der Patienten aus der Antibiotikagruppe innerhalb von einem Jahr doch noch operiert werden. In der OP-Gruppe hingegen erwiesen sich lediglich 7 Prozent der chirurgische Eingriffe als unnötig.
Die Operation ist somit eindeutig die bessere, risikoärmere und vor allem nachhaltigere Behandlungsmethode bei einer Blinddarmentzündung. Zwar wird die Antibiotikatherapie inzwischen in allen Altersgruppen zunehmend angewandt und auch weiterhin ihre Berechtigung haben, doch gelangte man in Fachkreisen aufgrund der Studie zu der Auffassung, dass die alleinige Gabe von Antibiotika langfristig keine sichere Option darstellt.
Ein Fazit, das besorgten Eltern und behandelnde Ärzten die Entscheidung für oder gegen eine Operation erleichtern wird.
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