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Wo kommen die Babys her?

Kindgerechter Lesespass für die ganze Familie.

Aufklärung mit Bienchen und Blümchen, das war einmal. Unsere Gesellschaft geht heute viel offener mit dem Thema Sexualität um. Trotzdem kommen viele Eltern gehörig ins Stottern, wenn schon Vorschulkinder sie mit Fragen zu Liebe, Sex und Zärtlichkeit löchern.

Die 5-jährige Emma sitzt am Abendbrottisch. Zwischen Leberwurstbrot und Gurkenscheibe fragt sie: „Mama, warum haben Jungs unten so einen Beutel dran?“ Ihre Mutter kommt ins Schwitzen. „Ähm, das nennt man Hoden.“ Damit gibt sich Emma nicht zufrieden. „Und wozu braucht man die?“ Jetzt ist guter Rat teuer. „Gehen sie offen auf die Frage ein, es bringt nichts, solche Themen zu ignorieren. Und wenn Ihnen keine einfache Antwort einfällt, können Sie sagen: Da muss ich selbst erst einmal nachlesen oder lass uns zusammen ein Buch dazu anzuschauen“, empfiehlt Uta Herrmann, von pro familia Chemnitz. Die Organisation setzt sich schon seit den 50er-Jahren für Sexualaufklärung ein.

Mit dem Konzept „Mein Körper und ich“ ist Uta Herrmann in Kindergärten und Grundschulen unterwegs, führt Gespräche mit den Kindern, macht Weiterbildungen für die Erzieher und bietet Elternabende an. Die Anfragen kommen meist, wenn „etwas vorgefallen“ ist. Selbstbefriedigung bei Kindern ist ein Thema, das häufig auftaucht und die Erzieher irritiert. Oder Eltern sind schockiert, wenn sie von ausufernden Doktorspielen in der Kuschelecke erfahren. „Mir ist es dann wichtig zu sagen, dass das zunächst etwas sehr Natürliches ist. Kinder wollen wissen, wie ihr Körper funktioniert. Und das Reiben an Penis oder Scheide baut eben bei einigen Kindern Stress ab“, meint die Sexualpädagogin. Trotzdem sollte auch mit den Kindern darüber gesprochen werden. „Im Falle der Selbstbefriedigung könnte das der Hinweis sein, dass das nichts Schlimmes ist, aber etwas, was man alleine für sich macht.“

Hilfreich sind vor allem kindgerechte Aufklärungsbücher, die es heute zahlreich gibt und über die man mit Kindern ganz unaufgeregt ins Gespräch kommt. Kinder im Vorschulalter sollten auch schon mal die richtigen Bezeichnungen für die Genitalien gehört haben. „Die Kinder bringen von zu Hause sehr unterschiedliche Wörter mit: Pullermann und Muschi zum Beispiel. Ich sage dann, dass das eher Kosewörter sind und die Grossen dazu Penis und Scheide sagen“, erklärt Uta Herrmann.

Trotzdem erwarten die Kinder meist keine langen Vorträge auf ihre Fragen. Bei „Wo kommt das Baby her?“ reicht für 3-Jährige meist: „Es wächst im Bauch der Mama, weil Mama und Papa sich ganz doll lieb haben“. Vorschulkinder wollen es da schon genauer wissen. „Man kann auch behutsam erklären, dass der Penis in die Scheide muss. Auch das Wort Geschlechtsverkehr kann man erwähnen, schliesslich ist es ein ganz normales Wort.“ Trotzdem sollte man vorwiegend Wörter finden, die den Kindern vertraut sind wie Schmusen, Kuscheln und Liebhaben. Vor allem aber sollten die Kinder merken, dass Sexualität nichts Peinliches ist, sondern dass „es mit Spass, Lust und Freude zu tun hat, worüber man herzlich lachen kann“, findet die Expertin.

Kinder kommen heute schon sehr früh über Zeitschriften, Plakate und Filme mit Sexualität in Berührung. Eltern sollten sich daher nicht um die Fragen des Nachwuchses drücken, sondern offen und ehrlich antworten. Dabei sollte auch die Frage geklärt werden: Wer darf mich wo berühren? Sexualpädagogin Uta Herrmann rät: „Ein aufgeklärtes Kind hat eher den Mut zu sagen: Nein, das möchte ich nicht! Wir sehen darin auch eine Prävention des sexuellen Missbrauches.“

Jana Olsen

u.a. mit folgenden Themen:

- Risiko Kinderspeck
- Lese-Rechtschreib-Schwäche
- Plötzlicher Kindstod

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Wissen extra

pro familia ist die grösste nichtstaatliche Organisation für Sexual-, Schwangerschafts- und Partnerschaftsberatung in Deutschland. Sie unterhält mit Aue, Chemnitz, Leipzig und Wurzen vier Beratungsstellen in Sachsen: www.profamilia.de/angebote-vor-ort/sachsen.html

Lese-Tipp

Sonja Härdin:
Wo kommst du her? Ein Aufklärungsbuch der pro familia für Kinder ab 5
Verlag: Bindlach Loewe
ISBN 3785544372
36 Seiten; Preis: 7, 90 Euro

„Liebevoll begleiten“, diese kostenlose Ratgeberbroschüre für Eltern beantwortet Fragen zu Sexualität und Aufklärung im Vorschulalter.
Bezugsquelle: Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln,
Fax: 0221 - 8992-257; order@bzga.de;
www.bzga.de; Best.-Nr: 13660500