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Von Dippoldiswalde nach Peking

v.l.n.r.: Frederik Gareis, Martin Link, Saskia Drechsel, Paul Linke, Toni Beuthan (Kapitän des Teams).

Sie ist erst 16 Jahre alt, doch schon deutsche Physikmeisterin. Die Rede ist von Saskia Drechsel aus Dippoldiswalde, die neben ihrem normalen Schultag am Glückauf-Gymnasium Vorlesungen in Experimentalphysik an der Technischen Universität Dresden besucht.

Saskia ist ein Physik-Ass. Im Februar dieses Jahres gewann sie die deutschen Meisterschaften als beste Einzelteilnehmerin. Nun hat sie mit vier weiteren Schülern Deutschland bei der Physik-WM in Peking vertreten - und kam auf Platz drei. Eine Goldmedaille sah das Reglement auch dafür vor. Von Claudia Hempel

Ihre Mutter ist erstaunt, sie sagt: "Klar, Saskia macht es sehr viel Spaß und sie hat jetzt das dritte Mal an der deutschen Meisterschaft teilgenommen. Dass sie irgendwann mal gewinnt, das war mir fast klar. Aber dass es jetzt schon geklappt hat, das hat mich dann doch überrascht."

Saskia selbst sieht ihren Sieg fast bescheiden. Woher ihr Faible für Physik kommt, weiß sie auch nicht: "Seit der 6. Klasse haben wir Physik und wir haben einen sehr guten Physiklehrer, außerdem war ich auch in Mathe immer gut, Zahlen haben mir noch nie Probleme gemacht. Da dachte ich, ich probiere es mal."

Der Physiklehrer, der Saskias Talent sofort erkannt hat, versorgt sie bis heute regelmäßig mit neuen Ausschreibungen und Informationen zu Wettbewerben. Und Saskia hat immer die Nase vorn: erst in der Schule beim Hausaufgabenwettbewerb, dann beim Ausscheid am Martin-Anderson-Nexö-Gymnasium in Dresden und schließlich in Chemnitz beim Landesausscheid.

Lampenfieber? "Kenne ich nicht", sagt sie, "ich bin nie aufgeregt." Und hat sie einen Trick für ihren Erfolg? Sport? Ernährung? Meditation? Ein Maskottchen? Nichts davon. Wandern geht sie gern, sagt sie, gerade ist sie von einer Schulfahrt an die Ostsee zurückgekehrt. "Ja, es war schön, aber die Berge faszinieren mich mehr." Essen? "Nee, ich esse alles - vielleicht ein bisschen mehr Käse und Salat als mein Vater, aber ich esse auch gern Wurst." Die einzige Schwäche heißt Schokolade. "Da kann schon mal eine Tafel an einem Nachmittag verputzt werden, wenn ich an meinen Vorbereitungen bastle."

Bei den deutschen Meisterschaften in Bad Honnef war die Aufgabenstellung allerdings etwas anders als gewohnt. Dort sollten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein physikalisches Problem erläutern und die dazugehörige Theorie in einem Experiment veranschaulichen, und zwar auf Englisch. Neuland für Saskia. Ihre Eltern waren skeptisch. Doch Saskia denkt über so etwas gar nicht nach. Unter den Problemstellungen, die zur Wahl stehen, entscheidet sie sich für den Heronsbrunnen, benannt nach seinem Erfinder Heron von Alexandria. Es ist ein Brunnen, der scheinbar endlos fließt - ohne Pumpe oder andere Hilfsmittel. Sein Geheimnis: Drei Wasserreservoirs sind auf unterschiedlicher Höhe angeordnet und miteinander verbunden. Über das Zusammenspiel von Luftdruck und Wasserspiegel entsteht eine Fontäne, die unter Umständen stundenlang stehen bleibt. Zur Veranschaulichung will Saskia den Brunnen nachbauen. Günstigerweise ist ihr Vater Tischler, da steht für die 16-Jährige die Aufgabenverteilung fest: "Ich weiß, wie es funktionieren soll. Papa weiß, wie man es umsetzt." So entsteht ein Heronsbrunnen mitten in der väterlichen Werkstatt. Der ist so groß, dass Saskia sogar einen Leitertritt braucht, um die Höhe der Fontäne zu messen - die spielt eine Rolle bei der Aufgabenstellung.

Auf ihren Ergebnissen baut sie ihre Power-Point-Präsentation auf - ihr Vortrag und ihr Versuchsaufbau beeindrucken die Jury nachhaltig. Die zehn besten Einzelteilnehmer/innen wurden eine Woche später nach Ulm geladen. Dort gibt es noch einen Theorietest, auch den absolviert Saskia mit Bravour. Am Ende werden fünf Jugendliche ausgewählt, die Deutschland in China bei der Weltmeisterschaft vertreten. Saskia und ihr Team werden Dritte. www.dpg-physik.de

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Vorsicht vor Fremden im Netz!
- Physik-WM in Peking
- Neurofeedback

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