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Vom Plappermäulchen zur Leseratte

Voller Durchblick: Wer früh Freude am Lesen findet, wird auch intelligenter. Das kann man fördern.

Damit ein Kind überhaupt gut lesen lernt, muss es erst einmal ordentlich sprechen können. Und das ist Studien zufolge für etwa jedes fünfte Kind ein Problem. Laut Heilmittelbericht der AOK 2014 ist die Zahl der verordneten logopädischen Behandlungen in den letzten Jahren stets gestiegen. von Jana Olsen

Jungen bekommen dabei mit 19 Prozent deutlich häufiger sprachtherapeutische Behandlungen verordnet als Mädchen (12 Prozent). Als Ursachen für die Sprachdefizite vermuten Experten zum Beispiel zu wenig Gespräche in der Familie, zuviel (nicht altersgerechten) Medienkonsum und fehlende Sozialkontakte. Dabei beginnt der Spracherwerb bereits im Babyalter. Hier einige hilfreiche Tipps zur Sprachförderung:

Rede mit mir!

"Erre Erre", so oder so ähnlich hören sich die ersten Sprachversuche von Babys an. Jeder Laut ist ein guter Anfang für ein Gespräch - finden die amerikanischen Sprachforscher Hart und Risley. Sie zeigten in einer Studie, dass Kinder, die aus gesprächigen Familien stammten, mit drei Jahren nicht nur selbst bessere Sprecher waren, sondern auch einen höheren IQ hatten als Kinder aus schweigsamen Haushalten. Drei Jahre lang begleiteten die Wissenschaftler Familien und zählten, wie viele Wörter die Babys pro Tag hörten. Die Unterschiede waren gravierend, die Anzahl schwankte zwischen 600 und bis zu 2.100 Wörtern pro Stunde. Doch nicht nur die Zahl der gesprochenen Wörter hatte dabei Einfluss auf die Sprachentwicklung der Kinder. Auch die Reaktion der Eltern half den Kindern, ihren Wortschatz auszubauen. Je mehr die Eltern demnach auf die Dinge eingingen, für die sich das Kind gerade interessierte, desto schneller erweiterte es seinen Wortschatz. Eine gute Hilfe waren dabei auch Lieder und Gedichte.

Nicht um Antworten drücken

"Und wie eutern die Kühe die Milch in die Packung?" Mal ehrlich, ohne die unermüdlichen Fragen nach dem Wie, Was und Warum wäre es für Eltern doch ziemlich langweilig. Besonders, wenn es so kreativ formulierte Fragen wie diese sind. Auch wenn Eltern manchmal davon genervt sind, in der durchaus anstrengenden Warum-Phase sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass Kinder tatsächlich etwas wissen und erklärt bekommen möchten. 

Fehler indirekt korrigieren

"Der hat mein Spielzeug weggenehmt!" Solche grammatikalischen Fehler sind im Vorschulalter völlig normal. Fehler in Satzbau und Wortwahl sollten jedoch nicht durch eine Aufforderung zum richtigen Nachsprechen korrigiert werden. Denn immerhin hat das Kind eine eigenständige Denkleistung vollbracht, es heißt ja schließlich auch "gekauft" und "geholt". Besser ist es, das Gesagte eher beiläufig in der richtigen Form zu wiederholen.

Wortschatz erweitern!

"Mama, guck mal, der Himmel ist ganz blond!" - Das ist doch der perfekte Gesprächseinstieg für eine Unterhaltung über das Abendrot, den Mond und die Sterne. Woher soll ein Fünfjähriger auch wissen, was genau beim Sonnenuntergang passiert? Im Alter von sechs Jahren kennen Kinder rund 14.000 Wörter, von denen sie etwa die Hälfte aktiv nutzen. Erwachsene haben einen Wortschatz von etwa 50.000 bis 70.000 Wörtern. Mit Fragen ermuntern Sie Ihr Kind, noch genauer zu beobachten, im Gespräch kann es seinen Wortschatz ohne Zwang erweitern.

Vorlesen zahlt sich aus

Gemeinsames Buchanschauen und regelmäßiges Vorlesen haben zahlreiche positive Einflüsse auf die kindliche Entwicklung. So fällt Kindern, denen schon im Kleinkindalter häufig vorgelesen wurde, der Spracherwerb oft leichter. Später lernen sie auch schneller lesen und sie haben im Schnitt bessere Schulnoten. Dennoch beschäftigt sich nur noch ein Drittel der Vier- bis Fünfjährigen mit Büchern, so eine aktuelle Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes. Zahlreiche Vorlesetipps für Eltern und Buchempfehlungen ab dem Babyalter findet man im Leseförderprogramm der Stiftung Lesen unter www.lesestart.de.

u.a. mit folgenden Themen:

- Risiko Kinderspeck
- Lese-Rechtschreib-Schwäche
- Plötzlicher Kindstod

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