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Streicheleinheiten für die Seele

Kindheit prägt fürs ganze Leben

Wie stabil und widerstandsfähig ein Mensch im späteren Leben ist, hängt stark davon ab, ob er in der Kindheit „gesehen“ wurde. Es geht um Anerkennung der ganz individuellen Persönlichkeit. Ist im Umfeld des Kindes wenigstens eine Person, die diese Rolle einnimmt, ist die Aussicht auf spätere Resilenz (Widerstandsfähigkeit) sehr groß.

Stella grinst über beide Wangen. Dreimal war sie die Beste beim Spiel Schildkrötenhasche. Und prompt folgt das Lob der Trainerin. „Solche positiven Erlebnisse sind für Kinder und ihre Persönlichkeitsentwicklung enorm wichtig“, sagt Kinderarzt Holger Kloß und ergänzt: „Genauso wichtig ist es aber, nicht nur ein Kind hervorzuheben, sondern  auch  die  anderen  Kinder zu beachten. Haben sich alle angestrengt,  dann  ist  das  genauso  ein Lob wert“. Holger  Kloß  ist  Chefarzt  in  der Rehabilitationsklinik Löbau und arbeitet als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Er weiß: Wertschätzung, Lob und Anerkennung wirken sich positiv auf die Psyche und auf den Körper aus. Sie stärken das Selbstbewusstsein und aktivieren die Glückshormone. Nach Meinung von Holger Kloß sind solche Rückmeldungen schon ab dem Säuglingsalter wichtig. Ein einfaches Lächeln, Streicheln, das Gefühl von Wärme und  die  Tonlage,  in  der  mit  dem Kind gesprochen wird, sind sehr fördernd für eine positive Kindesentwicklung. Später kommen noch Worte  dazu,  irgendwann  reichen nur noch bestärkende Blicke aus.

Bestätigung schafft innere Stärke

„Positive, aber auch negative Erfahrungen bleiben bei Kindern im Gedächtnis. Erlebnisse aus der Kindheit prägen sie“, erklärt Holger Kloß und begründet: Bleibt das Lob aus, besteht die Gefahr, dass sich die Kinder zurückziehen, schüchtern oder gar aggressiv werden. Es fällt ihnen schwer, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse richtig zu äußern. „Einige werden auch depressiv und sind dann völlig antriebslos und traurig“, so der Facharzt. Werden sie gelobt, dann trauen sie sich auch etwas zu, haben keine Angst zu versagen und lernen, mit Niederlagen umzugehen.

Werden Kinder in ihrem Handeln bestätigt, dann fördert das ihre „innere Stärke“, also ihre Resilenz. Je größer sie ist, desto besser sind sie später für den Alltag gewappnet. „Enttäuschungen, Lebenskrisen, Schicksalsschläge, Konflikte oder Misserfolge werden viel besser weggesteckt, wenn die innere Stabilität vorhanden ist“, sagt Holger Kloß. In der Sportgruppe bekommen Stella und die anderen Kinder von der Trainerin ihre Bestätigung. Im Alltag sollten das auch Erzieher und Lehrer übernehmen.

Vorbild und Vertraute

Eins steht für Chefarzt Holger Kloß jedoch fest: „Das A und O sind immer noch die Eltern. Denn sie sind Vorbild und Vertrauensperson. Daran orientieren sich die Kinder am meisten.“  Und so strahlt die 5-jährige Stella umso mehr, als ihre Mutter stolz am Rand steht und begeistert beide Daumen zeigt.

 von Annett Böhm

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Vorsicht vor Fremden im Netz!
- Physik-WM in Peking
- Neurofeedback

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