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Schülerin mischt die Schachwelt auf

Saskia Pohle aus Zwickau denkt immer ein bisschen voraus - im Alltag, in der Schule, vor allem bei ihrem Hobby - Saskia spielt Schach.
Sie war 2017 Deutsche Meisterin der unter 10-Jährigen, dann sogar bei einer Weltmeisterschaft dabei. Und auch für dieses Jahr hat sie große Pläne.
Von Susan Künzel

Vergraben zwischen ihren Spielsachen fand die kleine Saskia einst Schachfiguren. Da war sie 5 oder 6 Jahre alt. Auf ihre Frage, was das sei, antwortete die Mutter: "Noch nichts für dich". Doch schon bald sollten die Figuren das Ein und Alles für sie werden. In ihrer Grundschule ist Schach ein Pflichtfach. Für Saskia wird es das Lieblingsfach, ihr liegt es, vorauszudenken.
Schon im ersten Schuljahr räumt sie bei der "Zwickiade" - einem offenen Schachturnier in Zwickau - alle Bretter ab. Der Veranstalter ist der Schachverein Muldental Wilkau-Haßlau und nimmt das kleine große Talent begeistert auf. Nun trainiert Saskia täglich zwei bis drei Stunden. "Am Wochenende natürlich mehr", fügt sie schnell hinzu - es scheint ihr alles noch zu wenig. Sie übt mit einem Computerprogramm, lernt Eröffnungsphasen auswendig probt online Taktikaufgaben, daheim und im Verein. Seit dort der Trainer meinte, ihr nicht mehr genug beibringen zu können, nimmt sie Stunden bei einem Privattrainer in Dresden, meist via Skype.

IMMER AN DER SPITZE

Es gibt noch einen zweiten privaten Online-Trainer, der sie auch zu Turnieren begleitet und aktuell Saskias Haupttrainer ist. Den hat sie 2017 in Brasilien kennengelernt. Er war Delegationstrainer, Saskia war Delegierte. Ein Traum für das damals 9-jährige Mädchen. Sie hatte zuvor die Deutsche Meisterschaft gewonnen, war die Beste der unter 10-Jährigen unseres Landes und damit für die Weltmeisterschaft in Brasilien qualifiziert.

Ist sie bei den Wettkämpfen aufgeregt? "Meistens eher nicht. Bei der DM war ich schon aufgeregt. So an der Spitze der Rangliste spürt man Druck. Ich meinte, ich muss gewinnen, bin ja die Beste."

Und in Brasilien? "Das hab ich dann zu locker genommen." Doch ein 25. Platz und damit in mitten der weltweit besten Schachspieler ihrer Altersklasse zu stehen, zaubert Saskia ein feines Lächeln ins Gesicht. Das verschwindet gleich wieder: "Dort zu verlieren hat mich nicht wirklich geärgert. Schockierend fand ich das ganze Ringsherum, die Blechhütten, wie die Leute dort leben, so viel Leid. Darüber denk ich immer noch nach."

VERSCHWITZT VOM DENKEN

Nach Brasilien fuhr die Mutter natürlich mit: "Ich unterstütze sie bei allem, was sie tut. Das ist meine Aufgabe. Sie soll glücklich sein." Fast jedes Wochenende und in den Ferien chauffiert sie Saskia zu Turnieren, versorgt sie mit Essen und Trinken und hilft ihr auch seelisch aufzutanken. "Zehn Stunden kann so ein Turniertag dauern, das fordert enorm, danach ist Saskia richtig verschwitzt vom Denken.

"Und was fasziniert die 11-Jährige am Schach? "Ich kann nachdenken, frei entscheiden, neue Sachen probieren. Und ich kann viele nette Leute kennenlernen. "Mit den Freunden vom Schach geht sie im Thema auf. Mit ihren Schulfreunden teilt sie andere Dinge, malt Drachen und Feen, liest Fantasy-Bücher. Die Schule fällt ihr leicht, doch Schach bestimmt ihr Leben. "Gerne würde ich später mal vom Schach leben können, als Profi-Schachspielerin. Wenn das nicht klappt, werde ich vielleicht Lehrerin, ich würde vieles mehr veranschaulichen. "In der deutschen Rangliste der unter 12-Jährigen steht sie aktuell auf Platz eins. "Ich denke, ich kann das halten und hätte Chancen, wieder Deutscher Meister zu werden." Dann kann sie sich aussuchen, ob sie zur Europa- oder Weltmeisterschaft fahren möchte. "Diesmal würde ich die EM wählen, denn die ist in den Ferien, ich möchte nicht so viel in der Schule nacharbeiten müssen. Außerdem ist die WM in China. Mir wurde gesagt, dass da das Essen nicht so toll ist. Ich mag auch nicht so Stäbchen im Essen haben. "Auch da hat Saskia alle Folgezüge vorausgedacht.

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Frühchen
- Strategisches Denken
- Tabuthema Tod
- Streitthema Tattoo

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