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Schnuller gegen plötzlichen Kindstod?

Warum gesunde Kinder im Schlaf sterben, ist bis heute ungeklärt. Der plötzliche Kindstod ist noch immer eine der häufigsten Todesursachen im ersten Lebensjahr. Amerikanischen Studien zufolge scheint das Schlafen mit Schnuller das Risiko zu senken. von Barbara Legner-Meesmann

Der Schrecken hat sich in das Gesicht der Eltern eingegraben. Mit leiser Stimme erzählen sie, wie das damals war, im Sommer vor einigen Jahren, als ihnen über Nacht ihr Liebstes genommen wurde. Sie hatten ihren gesunden, drei Monate alten Sohn Julian am Abend wie gewohnt zum Schlafen hingelegt und am Morgen lag er tot in seinem Bettchen. Sie können noch immer nicht begreifen, warum, sagt die Mutter mit Tränen in den Augen. Lange hat sie sich Vorwürfe gemacht, sich immer wieder die gleichen Fragen gestellt: Warum war sie im entscheidenden Moment nicht zur Stelle? Wie konnte es sein, dass ihr Baby im Zimmer neben ihr einfach starb, ohne dass sie etwas merkte? Für den Tod ihres Babys wurde keine Ursache gefunden. Es starb am sogenannten plötzlichen Kindstod.

Enormer Rückgang seit 1990

Man weiß noch immer nicht, woran diese Kinder genau sterben, sagt Professor Dr. Mario Rüdiger, Neonatologe an der Uniklinik Dresden. Dennoch hat die Medizin in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte in der Bekämpfung des plötzlichen Kindstods gemacht: Seit Ende der 90er-Jahre sind die Zahlen der verstorbenen Kinder deutlich gesunken: Gab es 1990 in Deutschland noch 1.283 Fälle von plötzlichem Kindstod, sank die Zahl auf gerade mal 127 Babys im Jahr 2015. Das ist ein Rückgang um 90 Prozent innerhalb von 25 Jahren!

Rückenlage als wichtigste Prävention

Bis in die 90er-Jahre hinein hatten viele Mediziner die Bauchlage als ideale Einschlafstellung für Babys propagiert. Als dann die Erkenntnis aufkam, dass diese das Risiko für den plötzlichen Kindstod stark erhöht, gab es Ende der 90er-Jahre die weltweite Kampagne „Back to sleep“ (übersetzt etwa „Zum Schlafen auf den Rücken“). Seitdem die meisten Eltern ihre Kinder infolgedessen zum Schlafen auf den Rücken legen, hat die Zahl der plötzlich verstorbenen Babys deutlich abgenommen. Die Wissenschaft hat neben der Bauchlage noch weitere Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod gefunden, sagt Professor Rüdiger. Demnach sind Babys im ersten bis vierten Lebensmonat besonders gefährdet, Jungen sind öfter betroffen als Mädchen. Frühgeborene oder Kinder mit extrem geringem Geburtsgewicht scheinen anfälliger zu sein, ebenso Mehrlinge und Kinder aus sozial schwachen Schichten. Außerdem sterben in den Wintermonaten öfter Babys am plötzlichen Kindstod als im Sommer.

Mit dem Schnuller vorbeugen?

Wie können Eltern ihre Kinder vor dem plötzlichen Kindstod schützen? Mehrere Studien aus den USA kommen zu dem Schluss, dass ein Schnuller beim Schlafen das Risiko des plötzlichen Kindstods deutlich senken kann. Eine der Studien ergab bei der Befragung von Eltern 260 plötzlich verstorbener Kinder und Eltern ebenso vieler gesunder Kinder, dass unter den verstorbenen Kindern auffällig wenige Kinder einen Schnuller hatten. Professor Rüdiger hält allerdings den Rückschluss der amerikanischen Kollegen für nicht wirklich aussagekräftig. Es gibt aber ein paar weitere Vorsichtsmaßnahmen, die international unumstritten sind.

Womit man dem plötzlichen Kindstod vorbeugt: 

  • das Baby sollte allein in seinem Bettchen schlafen
  • es sollte auf dem Rücken liegen
  • das Schlafzimmer sollte gut belüftet und nicht zu warm sein
  • ein gut sitzender Schlafsack statt Kissen oder Decken
  • in Gegenwart des Kindes nicht rauchen

 

 

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