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Die große Welt im kleinen Kindergarten

Die Zeiten sind rauer geworden. In ihrem Berufsalltag beklagen sogar Polizisten, Rettungshelfer und Feuerwehrleute eine wachsende Aggressivität der Menschen. Politisch stehen dafür Begriffe wie Rassismus und Rechtsextremismus. Der demografische Wandel, soziale Ungleichheit,
Klimawandel oder Migration stellen die Gesellschaft vor immense Herausforderungen.
Von Eva Jobst

Logischerweise reichen diese Entwicklungen bis in die Familien hinein. Und werden von den Kindern auch in die Kitas getragen, die jenseits des Elternhauses der erste wichtige Ort sind, wo Sozialisation und Bildung stattfindet. Das Grundprinzip, dass Kinder nur „satt, sauber und gesund“ sein müssen, ist dort längst ein Relikt aus der Vergangenheit. Denn weit darüber hinaus bieten sie ein vielfältiges Angebot, um soziale Kompetenzen und humanistische Werte zu vermitteln. Der sächsische Bildungsplan für Kitas, der für alle anerkannten Einrichtungen verbindlich ist, orientiert sich an den Werten des Grundgesetzes. Er formuliert sehr klar, dass Kinderbetreuungseinrichtungen Orte der Demokratie, der Toleranz und des Humanismus sein müssen.

SPIELEN UND SOZIALE KOMPETENZ

Wenn es dabei zu Konflikten kommt, können sich Erzieher und Eltern an das Kulturbüro Sachsen e.V. wenden, speziell an die Fachstelle Jugendhilfe, die moderierend und steuernd eingreifen kann. Im Jahr 2013 begann man sich dort mit dem Phänomen zu befassen, dass zunehmend Kinder in Kitas angemeldet werden, deren Eltern als „Rechte“ bekannt sind. Gleichzeitig wuchs die Anzahl der Kinder
mit Migrationshintergrund, was heißt: Mindestens ein Elternteil ist ausländischer Herkunft. 2017 waren das in Sachsen bereits 8,3 Prozent der betreuten Kinder.

Welche Auswirkungen hat das auf das Miteinander in den Kitas? Danilo Starosta ist Erziehungswissenschaftler und arbeitet im Kulturbüro Sachsen. Seine Erfahrung ist: Das Wichtigste für Kinder im Vorschulalter ist das gemeinsame Spiel. Dabei erlernen sie buchstäblich spielerisch soziale Kompetenzen und schließen erste wichtige Freundschaften.

Erstaunlicherweise spielen dabei soziale oder ethnische Unterschiede kaum eine Rolle. Denn die „Kleinen“ können damit viel souveräner umgehen als die „Großen“ – selbst Sprachbarrieren spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Dennoch kommt es auch zu „Alltagsrassismus“. In Einzelfällen tragen Kinder die Ressentiments ihrer Eltern in die Einrichtung – und wollen zum Beispiel mit Asylbewerberkindern nichts zu tun haben. Dann müssen die Erzieher unbedingt sensibel eingreifen. Was zum Beispiel hilft, ist ein Perspektivwechsel: Wie würdest du dich fühlen, wenn so mit dir umgegangen würde? Gleichzeitig müssen diskriminierte Kinder umso mehr in die Gemeinschaft eingeschlossen werden. Auch Elterngespräche sind in solchen Fällen unumgänglich.

 

KULTURBÜRO MANAGT KONFLIKTE

Um solche Situationen ganz konkret handhaben zu können, bieten Danilo Starosta und seine Kollegen Kita-Mitarbeitern und auch Eltern Hilfe an. Das Kulturbüro Sachsen organisiert dafür begleitende Beratungsprozesse. Dabei werden Konfliktfähigkeiten der Erzieherteams geschult und die Moderation zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften erprobt. Auch Weiterbildungen zu den Themen „Demokratische Erziehung in der Kita“ und „Interkulturelle Kompetenz“ gehören dazu. Diese Angebote werden gut angenommen und tragen Früchte.

Eine Studie, die 2018 in Kooperation der Hochschule Rosenheim mit dem Deutschen Kinderhilfswerk
veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss, dass speziell in Sachsen und Thüringen Kindereinrichtungen „keine Probleme mit Rechtsextremismus, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit haben“. Eine Studienteilnehmerin sagt im Interview: „Die wichtigste Aussage für uns hier ist: ‚Mensch, du bist gewollt‘. Und da steht nicht: Du Vogtländer oder du Bayer, du Syrer oder du Russe, sondern da steht Mensch … Und das ist die große Zusage und gleichzeitig der große Auftrag.“

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Arznei für die Kleinen
- Der "Smombie" geht um
- Heilkraft aus der Küche - Hausmittel

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