Sie sind hier:

Dicke Luft im Klassenzimmer – ein möglicher Grund für Müdigkeit und Unlust

Jeder Mensch verbraucht täglich mehr als 10.000 Liter Luft – ein beachtliches Volumen. Durch die Atmung reichert sich die Luft in geschlossenen Räumen mit Kohlendioxid an. Dagegen etwas zu tun ist wichtig, auch und besonders in der Schule. Denn: Schlechte Luft senkt Wohlbefinden und Leistungsvermögen!

Kinder und Jugendliche verbringen bis zu vierzig Stunden pro Woche in der Schule. Immer wieder wird beklagt, dass sie müde sind und dem Unterricht kaum folgen. Das wird oft auf zu starken Medienkonsum oder Unlust geschoben. Doch schuld daran kann auch ein hoher Anteil an Kohlendioxid in der Raumluft sein! Schon vor 150 Jahren machte der Chemiker und Hygieniker Max von Pettenkofer eine wichtige Beobachtung, die bis heute gilt: Frische Luft, die wir atmen, enthält rund 0,03 Prozent Kohlendioxid. Steigt die Menge in geschlossenen Räumen auf 0,1 Prozent, also rund um das Dreifache, entstehen Unbehaglichkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Diese 0,1 Prozent Kohlendioxidanteil nennt man Pettenkoferzahl.

 

Wenn alles schläft und keiner spricht,

..., nennt das der Lehrer Unterricht. Was schon damals galt, wurde durch neue Studien bestätigt, zum Beispiel von Wissenschaftlern der Universität Bremen. In verschiedenen Schulen wurde die Kohlendioxidkonzentration während des Unterrichts gemessen. Sie stieg bereits nach 20 Minuten rapide an! Gleichzeitig ließ die Aufmerksamkeit der Schüler nach: Sie wurden apathischer und konnten sich nicht mehr so gut konzentrieren. Dieses Problem gibt es überall mit zunehmender Häufigkeit. Denn immer mehr Schulen werden energetisch saniert und bekommen hermetisch schließende Fenster. Besonders im Winter denken alle heute mehr an Energieeinsparung als an die Luftqualität. Da scheint so manches Mal der alte Spruch zu gelten: „Erstunken ist noch keiner, erfroren sind jedoch schon viele!“

 

Verbrauchte Luft bemerkt man nicht

Vorgeblich aus Sicherheitsgründen werden überdies in vielen Klassenzimmern die Fensterhebel abgeschraubt. Lärm von draußen oder entstehende Unruhe beim Öffnen und Schließen der Fenster empfinden viele Lehrer als Störung des Unterrichts. Das Problem: Niemand im Klassenzimmer bemerkt, wann die Luft verbraucht ist – denn Kohlendioxid ist geruchlos.

 

Ausreichende Lüftung – (k)ein Problem

Für gesunde Raumluft gibt es DIN-Richtwerte, sie sind jedoch wissenschaftliche Empfehlungen und nicht gesetzlich festgeschrieben. Oft ist es so, dass in vielen Schulen die Fenster nur nach „gefühltem Bedarf“ geöffnet werden – so das Ergebnis mehrerer wissenschaftlicher Erhebungen. Es ist jedoch immens wichtig, mindestens einmal pro Unterrichtsstunde durch Stoßlüftung – also durch Öffnen der Fenster für einige Minuten – die Raumluft komplett auszutauschen, am besten noch öfter! Und auch in den Pausen muss ein Klassenzimmer gründlich gelüftet werden. Der Effekt ist erstaunlich, wie mehrere Studien beweisen konnten:  Die Aufmerksamkeit der Schüler steigt, der Lärmpegel sinkt und der Lehrer-Schüler-Dialog wird intensiver.

 

Ein kluger Helfer: Die Lüftungsampel

Für das richtige Lüften von Klassenzimmern gibt es seit einiger Zeit auch die Lüftungsampel – ein kleines Gerät, das im Klassenzimmer angebracht wird und die Kohlendioxidkonzentration misst. Wie eine Ampel im Straßenverkehr verfügt sie über farbige Lampen: Bei Grün ist alles in Ordnung, bei Gelb wird es bedenklich und bei Rot muss unbedingt gelüftet werden. Dann ertönt auch ein akustisches Warnsignal.

von Eva Jobst

u.a. mit folgenden Themen:

- Risiko Kinderspeck
- Lese-Rechtschreib-Schwäche
- Plötzlicher Kindstod

Was meinen Sie?