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Ups, da war es wieder!

Schulen Sie das Gespür der Kinder für die Dinge, die sie tun.

Eigentlich benutzen wir ja keine Schimpfwörter und bringen doch auch unseren Kindern bei, keine zu benutzen. Wie aber kommen sie dann trotzdem in die Welt und die Münder unserer Kinder und wie kriegt man sie da wieder heraus?

Scheiße! Scheiße! Scheeeeeiiiiiiiiiiisssssseeeee! Genüsslich lässt sich mein 4-jähriger Sohn Konrad das Wort auf der Zunge zergehen und grinst mich an. Er ist sichtlich zufrieden mit sich. Ich bin es natürlich nicht – weder mit ihm noch mit mir. Noch während mir das unvermeidliche „Das sagt man nicht!“ über die Lippen kommt, geißele ich mich für die vielen Male, bei denen mir das verpönte Wort wohl herausgerutscht ist. Aber wie kann es sein, dass ein so kleines Kind dieses Wort so schnell aufschnappt? Mir kommt es so vor, als würden die Kleinen genau diese Wörter immer besonders fix lernen! Der Eindruck täuscht, erklärt mir die Entwicklungspsychologin Dr. Brigitte Latzko von der Universität Leipzig. Vielmehr machen Kinder ab 2 Jahren einen großen Sprung in der Sprachentwicklung und verwenden dabei auch Wörter, die sie schon länger abgespeichert haben. Zum anderen erkennen sie ab diesem Alter Regeln und wollen sie austesten. Wie weit kann ich gehen, wie reagiert Mama oder Papa, wenn ich dieses oder jenes sage?

Ja, wie sollte ich denn aus Sicht der Experten reagieren? Christian Niemeyer, Professor für frühkindliche Entwicklung an der TU Dresden empfiehlt: „Lassen Sie sich nicht provozieren, das ist das Schlimmste, das Sie machen können.“ Auch von bloßen Verboten oder Strafaktionen nach dem Motto: Du hast ein Schimpfwort benutzt, also musst Du jetzt was in dein Sparschwein stecken!, hält der Professor nichts. Er rät: Schulen Sie lieber das Gespür der Kinder für die Dinge, die sie tun. Schimpfen Sie nicht, fragen Sie Ihr Kind lieber, warum es so etwas sagt. Es wird selbst erkennen, dass es vielleicht nur Mama oder Papa ein wenig ärgern wollte. Bitten Sie das Kind, sich die umgekehrte Situation vorzustellen – wie würde es sich fühlen, wenn es selbst beschimpft würde?

Auch die Entwicklungspsychologin Latzko empfiehlt dieses Vorgehen: „Das hilft dem Kind, ein eigenes Wertesystem aufzubauen.“ Zugleich sollte man ihm aber auch eine Alternative anbieten, denn Schimpfwörter sind nun einmal Ausdruck von Zorn, Frust oder Wut, die man loswerden möchte. Einigen Sie sich als Eltern oder Erzieher mit dem Kind auf Ausdrücke, die erlaubt sind, Wörter wie „Mist!“, das nicht ganz so schlimm ist wie „Scheiße“ oder auch Wörter, die sich das Kind selbst ausgedacht hat.

Brigitte Latzko tritt dafür ein, in Kita oder Schule die Verabredung zu treffen, keine Schimpfwörter zu verwenden und appelliert an die Erzieher, jedes Mal einzugreifen, wenn sie eines hören.

Was aber soll man machen, wenn manche Kinder in der Kita trotzdem mit Kraftausdrücken um sich werfen und andere herabsetzen? Auch für diesen Fall raten die Experten, dass das angegriffene Kind sein Gegenüber fragt, warum es das tut und wie es sich an seiner Stelle fühlen würde und sich außerdem an die Erzieherin zu wenden. Deren Aufgabe ist es, darauf einzugehen und es nicht als „Petzen“ abzutun. Überhaupt ermahnt die Entwicklungspsychologin: Seien Sie konsequent im Umgang mit den Schimpfwörtern, das ist das Wichtigste – egal ob zu Hause oder in der Kita. Auch wenn es manchmal leichter wäre, darüber hinwegzusehen. Sagen Sie etwas, wenn Ihr Kind unerlaubte Wörter benutzt! Das ist zwar mühsam, aber Erziehung ist eben Geduldssache.

Barbara Legner-Meesmann

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Wohin mit der Wut?
- Helfende Pfötchen
- Naturerlebnis Wildcamps

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