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Wie viel Taschengeld ist richtig?

Den Umgang mit Geld müssen Kinder lernen, möglichst früh. Die traditionellen Spiele wie Kaufmannsladen oder Post sind im Kindergartenalter geeignet, erste Erfahrungen zu sammeln. Der nächste Schritt ist das Taschengeld. Doch wie viel und wofür ausgeben – das ist oft die große Frage.

Noch nie erhielten Kinder in Deutschland so viel Taschengeld wie heute und noch nie gerieten so viele Jugendliche in die Verschuldung, sobald sie volljährig sind. Ein Gegensatz, mit dem sich Diana Bartl häufig konfrontiert sieht. Gemeinsam mit Rechtsanwältin Stephanie Schmid hat sie das Projekt „Schulschwein“ ins Leben gerufen. „Mit unserem Programm sollen Grundschüler den verantwortungsvollen Umgang mit Geld und Konsum lernen. Die Kinder bekommen ein spezielles Sparschwein. Dazu gibt es Workshops für Lehrer und Elternabende.“ Eine dort häufig gestellte Frage ist, wann Eltern das erste Taschengeld geben sollen. „So richtig Sinn hat es ab der 1. Klasse, wenn die Kinder erste Zahlenwerte verstehen. Eigenes Geld zu besitzen, ist aber wichtig für Kinder. Es ist ein Schritt in die Erwachsenenwelt.“ 

 

Wie viel Taschengeld?

Eine gute Orientierung bietet die Taschengeldtabelle der Jugendämter. „Die Tabelle ist allerdings nur ein Richtwert. Manche Kinder bekommen ja auch zu Geburtstagen oder von Oma und Opa regelmäßig Geld. Die Frage ist, was darf oder soll vom Taschengeld gekauft werden“, gibt Diana Bartl zu bedenken. Dafür sollte es klare Absprachen zwischen Eltern und Kindern geben. Übersteigt das Taschengeld beispielsweise den empfohlenen Betrag, kann mit dem Kind vereinbart werden, neue Stifte oder die Fahrkarte zum Sport selbst zu zahlen. Die Mehrzahl der Kinder gibt laut der Kids-Verbraucheranalyse 2013 ihr Taschengeld vor allem für Süßigkeiten, Zeitschriften sowie Essen und Trinken aus. Rund 80 Prozent der Kinder dürfen dabei frei über ihr Taschengeld verfügen. Und das ist gut so, findet Diana Bartl: „Kinder machen mit ihrem Taschengeld Fehler. Diese Erfahrung ist ein wichtiger Lernprozess.“ Vermeiden sollten Eltern allerdings, mit Taschengeldentzug zu bestrafen. „Wir hören oft, dass Eltern Taschengeld als Druckmittel benutzen, das halten wir nicht für sinnvoll. Bei Erwachsenen wird ja auch nicht das Gehalt gekürzt, wenn sie einen Fehler machen.“

 

Schulschwein als Finanzberater

Wichtig ist, dass Eltern, Kinder und Lehrer auch beim Thema Geld ständig im Dialog bleiben. „Es ist nicht an einem Tag getan. Deshalb ist unser Schulschwein-Projekt auch langfristig angelegt“. Das Sparschwein für die Kinder hat vier Fächer: fürs Sparen, Ausgeben, Investieren und für gute Taten. Zudem gibt es für Lehrer Unterrichtsmaterialien, die in Mathe, Deutsch oder im Sachkundeunterricht verwendet werden können. Die Kinder sollen lernen, zu überlegen und zu planen, bevor sie etwas kaufen. Das Projekt trägt sich bundesweit über Spenden und ist für die Schulen kostenlos.

Weitere Infos: www.schulschwein.de

 

von Jana Olsen

 

 

 

Die Taschengeldempfehlung der Jugendämter:

4 bis 5 Jahre: 0,50 bis 1,50 Euro/Woche
6 bis 7 Jahre: 1,50 bis 2 Euro/Woche
8 bis 9 Jahre: 2 bis 3 Euro/Woche
10 bis 11 Jahre: 12 bis 16 Euro/Monat
12 bis 13 Jahre: 17 bis 22 Euro/Monat
14 bis 15 Jahre: 22 bis 30 Euro/Monat
16 bis 17 Jahre: 30 bis 45 Euro/Monat
18 Jahre: 62 bis 70 Euro/Monat


 

 

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Wohin mit der Wut?
- Helfende Pfötchen
- Naturerlebnis Wildcamps

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