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Bewegter Unterricht - Spaß für Schüler und Lehrer

Aber nicht nur das. Bewegung fördert die Konzentration und steigert dadurch auch die Leistungsfähigkeit.

„Mir fehlt ein vierter Mann!“ Der Sportlehrer schaut zu Jürgen. Das ist die Chance für den 7-Jährigen. Und er gewinnt mit seiner Mannschaft die Goldmedaille.

„Das war ein unvergesslicher Augenblick“, erinnert sich Jürgen Reif heute, über vierzig Jahre später. Dieses Erlebnis gab den Anstoß für seine spätere Berufstätigkeit. Jürgen Reif ist heute Sporttherapeut in Leipzig. Er sagt: „Nur wer Freude an körperlicher Aktivität hat, wird sie regelmäßig in seinen Alltag einbauen. Je eher das passiert, desto besser.“ In einer Mannschaft oder Gemeinschaft macht Bewegung am meisten Spaß. Eine Schulklasse hat dafür die besten Voraussetzungen. Jürgen Reifs Empfehlung für die Hofpause.

Schattenfangen

Ein Kind ist der Fänger und versucht, auf den Schatten der Mitspieler zu springen. Gelingt das, ist der „Gefangene“ an der Reihe und die Runde beginnt aufs Neue. Voraussetzung ist natürlich, dass die Sonne scheint. Ist das nicht der Fall, lässt sich ein ähnlich bewegtes Vergnügen mit Zeitungsbögen arrangieren.

Gegenwind

Jedes Kind hält einen Zeitungsbogen vor seinen Bauch. Auf die Plätze, fertig, los! Jetzt müssen alle Teilnehmer 10 oder 20 Sekunden lang umherrennen und den Bogen dabei loslassen. Da ist Tempo gefragt, damit der Wind die Zeitungsseite gegen den Bauch drückt. Wer seinen Bogen verliert, scheidet aus. Wer ihn als Letzter freihändig am Bauch trägt, hat gewonnen.

„Noch besser ist es natürlich, wenn auch der Unterricht im Klassenzimmer nicht nur eine sitzende Tätigkeit ist. Werden Aufgaben mit Bewegung kombiniert, fällt das Lernen leichter. Außerdem kassieren Lehrer damit viele Sympathiepunkte“, schmunzelt Jürgen Reif.

Mathesport

Die Lehrkraft stellt „bewegte“ Rechenaufgaben: 3-mal den Arm ausschütteln plus 6-mal mit der Schulter kreisen – oder 8-mal mit dem Kopf nicken minus 5 Kniebeugen. Während die Schüler die Aufgabe „verkörpern“, müssen sie die Anzahl ihrer Bewegungen addieren, multiplizieren, subtrahieren oder dividieren – und anschließend das Ergebnis verkünden.

„Lehrer  und  Schüler  können  sich  solche Lernspiele   gemeinsam   ausdenken.   Insofern gibt es kein Fach, in dem Bewegung nicht möglich wäre“, sagt der Leipziger Sporttherapeut und verweist auf die Musikstunde.

Komposition

Die Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Alle tanzen, bis der Lehrer die Musik unterbricht. Gruppe 1 erstarrt, Gruppe 2 verformt die „Eingefrorenen“ nach Belieben. Sie müssen so lange die „komponierte“ Haltung bewahren, bis die Musik weitergeht. Beim nächsten Mal tauschen die Gruppen ihre Rollen.

Bewegter Unterricht fördert die Lernbereitschaft. Fast nebenbei wird körperliche Aktivität zur alltäglichen Selbstverständlichkeit. Das steckt an und hat viele Vorteile: Sportliche Kinder sind weniger anfällig für Krankheiten. Und Lehrern bereiten bewegte Unterrichtskonzepte ebenso viel Freude. Außerdem beugt es gesundheitlichen Schäden vor. „Welche Probleme Bewegungsmuffel haben, sehe ich oft bei den Erwachsenen, die ich als Sporttherapeut begleite: Viele leiden infolge ihres bewegungsarmen Lebens unter Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Schäden oder schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates“, gibt Jürgen Reif zu bedenken. Es muss nicht unbedingt die Goldmedaille sein, die die Begeisterung an Sport und Spiel entfacht. Manchmal reichen schon Hofpause oder Mathestunde, um Spaß an Bewegung zu entwickeln.

 von Dirk Heinemann

 

 

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