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Impfen oder nicht impfen?

Strengere Richtlinien: So dürfen in einem Impfstoff keinerlei vermehrungsfähige, also lebende, Erreger sein.

„Mein Sohn bekam mit 4 Monaten die erste 6-fach-Impfung. In der gleichen Nacht bekam er Fieber und die Einstichstelle war gerötet. Genau eine Woche nach der Impfung wurde er teilnahmslos und hatte keinen Hunger mehr; als er plötzlich erbrach, fuhr ich zum Not- arzt, dieser wies uns sofort in eine Klinik ein, dort wurde eine Vergrößerung der Organe festgestellt und am nächsten Tag bekamen wir die Diagnose: Leukämie! Nach vielen Chemotherapien und geplanter Stammzellentransplantation starb unser Sohn mit 22 Monaten. Kein Arzt wollte sich jemals auf einen Zusammenhang zwischen Impfung und dem Ausbruch der Krankheit einlassen. Es bestehe kein Zusammenhang. Wir haben jetzt wieder eine kleine Tochter, sie ist 6 Monate alt und sie wird so bald nicht geimpft, obwohl mich der Kinderarzt ständig dazu drängt!“ 

So oder ähnlich klingen die vielen Einträ- ge auf einer der bekanntesten Impfseiten im Internet, auf denen Eltern warnen und Impfgegner mobilisieren. Es scheint paradox, aber gerade dass viele Krankheiten dank umfassender Impfprogramme nahezu ausgerottet sind, begünstigt die Haltung der Impfgegner.

Argument 1: 

Impfen verursacht Allergien! Der Zusammenhang zwischen Allergien und Impfungen konnte bisher nicht nachgewie- sen werden. Im Gegenteil, im Gebiet der ehemaligen DDR, wo Impfpflicht bestand, waren Allergien bei Kindern wesentlich seltener als heutzutage. Die einzige Ausnahme besteht in einer Hühnereiweißallergie, denn einige Impfstoffe werden in bebrüteten Hühnereiern hergestellt, zum Beispiel der Influenza- (oder Grippe-) Impfstoff. Ist eine solche Allergie bekannt, kann man auf einen Impfstoff zurückgreifen, der auf Zellkulturen hergestellt wurde.

Argument 2: 

Je früher geimpft wird, desto größer das Risiko, da das Immunsystem ei- nes Säuglings noch sehr schwach ist. Viele Krankheiten wie Keuchhusten oder Meningitis treten verstärkt im Säuglingsalter auf. Ein Säugling ist rein statistisch zehnmal gefährdeter als ein Kleinkind im 2. Lebensjahr. Umso sinnvoller ist daher eine Impfung im Säuglingsalter.

Argument 3: 

Impfen bedeutet, den Körper mit hochkonzentrierten Bakterien zu verseuchen. Jeder Mensch trägt Bakterien in sich. Täglich nimmt der Körper einige Tausend davon auf. Schon in einem Gramm Mettwurst befinden sich Hunderte Bakterien. Eine Mehrfachimpfung beinhaltet lediglich einen Bruchteil davon. Im Gegensatz zur Wurst gibt es für diese aber wesentlich strengere Richtlinien: So dürfen in einem Impfstoff keinerlei vermehrungsfähige, also lebende, Erreger sein.

Die Bedenken und Zweifel haben wohl einen psychologischen Hintergrund. Sollte bei einer Impfung irgendetwas passieren, haben junge Eltern das Gefühl, dafür verantwortlich zu sein. Erkrankt das Kind an einer gefährlichen Krankheit, betrachten dieselben Eltern das als Schicksal, dem man sich fügen muss.

Und die Geschichte des Säuglings, der nach einer Mehrfachimpfung an Leukämie starb? So verständlich Trauer und Wut der Eltern sind: Die Impfung und der Ausbruch der Krankheit erfolgten zufällig zeitgleich, doch sie stehen in keinem Zusammenhang. Anders liegt dagegen der Fall des 13-jährigen Mädchens aus Bad Salzuflen, welches vor ein paar Wochen an den Spätfolgen einer Maserninfektion starb. Sie hatte sich zwölf Jahre zuvor im Wartezimmer des Kinderarztes angesteckt, und zwar nachweislich bei einem Jungen, dessen Eltern die Masernimpfung ablehnten. Das ist die andere Seite der Medaille: Die Entscheidung der Impfgegner betrifft nicht nur sie allein, denn mit jedem ungeimpften Kind steigt das Risiko aller anderen Menschen, an einer schon als besiegt geltenden Infektion zu erkranken. Dieser Gesichtspunkt, die Gefährdung anderer durch das eigene Handeln, fehlt leider im Katalog der Impfgegner.

Claudia Hempel

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Frühchen
- Strategisches Denken
- Tabuthema Tod
- Streitthema Tattoo

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