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Die Zuckerfalle

Morgens ein gesunder Start mit Müsli. Doch Vorsicht! Oft enthalten die Frühstückszerealien viel zu viel Zucker!

Die meisten Kinder stürzen sich mit Begeisterung auf Gummibärchen, Schokolade oder Bonbons. Schwer genug, dabei das richtige Maß zu finden. Doch die Süßigkeiten sind möglicherweise das kleinere Problem. Denn die Zuckerfalle lauert überall: in Brotaufstrichen, Müsli, Getränken. Produkte, denen man ihren hohen Zuckergehalt gar nicht ansieht.

Was, Süßes ist gut? Diese Frage bekommt Ulrike Böhm oft gestellt. Die Ernährungswissenschaftlerin gibt in Leipzig Kinderernährungskurse für Tagesmütter und Eltern. Zucker ist dabei ein ständig wiederkehrendes Thema. „Süßigkeiten zu verbieten, davon halte ich nichts“, sagt die Ernährungsexpertin. „Eine Naschportion pro Tag ist völlig in Ordnung. Das ist etwa so viel, wie in eine Kinderhand passt.“ Auf das Extrabonbon in der Brotdose sollte man jedoch verzichten. „Geben Sie den Kindern nur dann Süßes, wenn sie danach fragen. Ich erlebe oft, dass sich Tagesmütter oder Erzieher über Naschzeug in der Brotdose ärgern. Denn man kann den anderen Kindern nur schwer erklären, warum sie keine Süßigkeiten mit haben.“

Manche Kinder möchten sich die Süßigkeiten lieber selbst einteilen. Dann könnte man die Wochenration in eine Naschdose packen und einmal pro Woche aushändigen. Für besonders ausgehungerte Naschkatzen sind getrocknete Früchte oder zuckerfreie Kaugummis eine gute Alternative.

Der heimliche Zuckerkonsum

Das Problem des Zuckerkonsums ist allerdings mit den Süßigkeiten nicht erledigt, da auch viele Lebensmittel Zucker enthalten. Und nicht wenig. Dabei den Überblick zu behalten, ist ungleich schwerer als beim Naschwerk. Problematisch sind vor allem Getränke: Eistee, Fruchtnektar oder Milch mit Fruchtgeschmack zum Beispiel. „Ich beobachte auch, dass in Kindertageseinrichtungen der Tee häufig stark gesüßt wird. Davon würde ich abraten. Man kann zum Beispiel auch mit einem Schuss Apfelsaft süßen.“Wenn die Kinder zu Hause mit Tee, Wasser und Milch aufwachsen, ist das Verlangen nach süßen Getränken auch nicht so groß.

Zutatenliste richtig lesen

Bei vermeintlich gesunden Produkten wie Müsliriegeln, Joghurt oder Cornflakes lohnt es sich, genauer auf die Verpackung zu schauen. Denn Zucker verbirgt sich auf der Zutatenliste häufig unter anderen Begriffen. Glucose, Dextrose oder Maltose sind alles Bezeichnungen, mit denen der Laie nichts anfangen kann. Hier hilft eine Eselsbrücke: Was unter den Zutaten auf „-ose“ endet, ist eine Art von Zucker. „Mein Tipp: Eltern sollten die Cornflakes ruhig mal kosten. Wenn sie ihnen selbst zu süß sind, sollten sie beim nächsten Einkauf zu etwas anderem greifen“, empfiehlt Ulrike Böhm.

Immerhin ist auch ein positiver Trend zu beobachten: Lebensmittelhersteller verkaufen mittlerweile einige Produkte mit deutlich weniger Zucker. Wer genau auf die Verpackung schaut, hat also auch weniger Zucker im Einkaufswagen. Das Thema gesunde Ernährung sollte zu Hause allerdings nicht überthematisiert werden. „Statt darüber zu reden, sollte man eine gesunde Ernährung vorleben und kritische Produkte gar nicht erst einkaufen“, rät Ulrike Böhm.


Jana Olsen

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Vorsicht vor Fremden im Netz!
- Physik-WM in Peking
- Neurofeedback

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Vorschicht Getränke!

Abgesehen von Wasser sind die meisten Getränke die reinsten Kalorienbomben. Deshalb lohnt ein Blick auf die Angabe „Kohlenhydrate – davon Zucker“. Wenn da 4,5 g pro 100 ml angegeben sind, dann rechnet man mal zehn und weiß, wie viel in einem Liter enthalten ist. In diesem Fall: 10x4,5 = 45g. Umgerechnet in Würfelzucker (1 Stück = 2,5g) kommen dann schon mal schnell 18 Stück Würfelzucker zusammen!