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Wie wird Philipp zum Zappelphilipp?

„Ob der Philipp heute still – wohl bei Tische sitzen will?“ So fragte der Arzt Heinrich Hoffmann 1845 in seinem Struwwelpeter. Beim Zappelphilipp würden seine Kollegen heute wohl eine Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, diagnostizieren.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Krankheitsbild erstmals wissenschaftlich beschrieben. Tausende von Studien liegen mittlerweile dazu vor. Und so ist man sich heute sicher, dass die Störung aus einem Zusammenspiel von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren entsteht. Biologie: ADHS hat eine erbliche Komponente: Ist ein Elternteil betroffen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder ADHS bekommen, um das Drei- bis Fünffache. Auch wenn die Mutter während der Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt oder raucht, steigt beim Kind das Risiko für ADHS. Das Geschlecht der Kinder ist dagegen weit weniger ausschlaggebend als jahrelang angenommen. Galt ADHS lange als typische Jungenkrankheit mit einer Quote von 8:1 im Vergleich zu betroffenen Mädchen, geht man jetzt nur noch von einer Quote von 3:1 aus. Psyche: Psychische Faktoren wie Vernachlässigung spielen eine gewisse Rolle. Dazu kann eine ablehnende Grundhaltung der Eltern gehören, die sich in einem stark zurechtweisenden, kontrollierenden Erziehungsstil äußert; Lob und Anerkennung hingegen kommen zu kurz. Sozialstatus: Auch das soziale Umfeld und die finanzielle Situation der Familie beeinflussen die Entstehung von ADHS. Das ist das Ergebnis einer Studie des Dresdner Wissenschaftlers Jochen Schmitt und seines Würzburger Kollegen Marcel Romanos. Sie werteten Daten von rund 13.500 Kindern aus. Demnach tragen Kinder aus armen Familien ein deutlich höheres Risiko, eine Aufmerksamkeitsschwäche zu entwickeln.

von Barbara Legner-Meesmann

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Frühchen
- Strategisches Denken
- Tabuthema Tod
- Streitthema Tattoo

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