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Wenn Babys spucken

Ein unruhiges und ständig hungriges Baby sollte auf einen Magenpförtnerkrampf untersucht werden.

Eigentlich wollten Julius‘ Eltern den Tag feiern, an dem ihr Erstgeborener einen Monat alt wird. Fast sechs Jahre lang hatten sie auf ein Kind gehofft, dann war Julius‘ Mama endlich schwanger und die Geburt verlief ohne Komplikationen.

Und da beide Eltern so voller Freude waren, dass sie nun einen gesunden kleinen Jungen in der Familie hatten, beschlossen sie, bis zum ersten „richtigen“ Geburtstag jeden Monat eine kleine Geburtstagsfeier zu dritt zu arrangieren. Doch statt der kleinen Feier wurde Julius genau einen Monat nach seiner Geburt ins Krankenhaus eingeliefert. Immer häufiger hatte er in den Tagen zuvor die Muttermilch in großem Schwall wieder ausgespuckt. Er war unruhig, ständig hungrig und schrie Tag und Nacht.

Im Krankenhaus machen die Ärzte einen Ultraschall und stellen fest: Julius hat einen Magenpförtnerkrampf.

„Das ist unser klassischer Patient – männlich und zwischen drei und sechs Wochen alt. Unter 1.000 Kindern sind drei davon betroffen. In diesem Jahr haben wir bestimmt schon sieben oder acht Kinder deswegen operiert“, sagt Dr. Roman Metzger von der kinderchirurgischen Abteilung des Leipziger Universitätsklinikums. Warum es Jungen viermal häufiger trifft als Mädchen, wissen die Ärzte bis heute nicht. Noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts konnte so ein Magenpförtnerkrampf bei Säuglingen
zum Tode führen. Wird er nämlich zu spät erkannt, verlieren die Babys zu viel Wasser. Sie dehydrieren, sagen Ärzte dazu, und genau das ist lebensgefährlich. „Wir haben auch immer wieder Säuglinge, die schon so dehydriert sind, dass sie vor lauter Falten das Gesicht eines Greises haben“, erklärt Dr. Metzger, „das ist der Moment, wo es bereits kritisch wird.“ Normalerweise kann ein Magenpförtnerkrampf durch eine Routineoperation behoben werden, doch sind die Babys zu ausgetrocknet, müssen sie erst einmal zur Infusionstherapie. Das heißt: ein paar Tage an den Tropf. Denn erst, wenn sie wieder völlig stabil sind, kann operiert werden.

Der Magenpförtner ist ein Muskelring am Magenausgang. Er hat die Aufgabe, die Weitergabe des Nahrungsbreis an den Dünndarm zu regulieren. Ist der Muskel verkrampft, wird die Nahrung nicht weitergeleitet, sondern zurückgeschickt, also in großem Schwall erbrochen. Bis heute ist die genaue Ursache für diese Krankheit unbekannt. Es wird vermutet, dass sie vererbbar ist. Wurde früher ein relativ großer Schnitt quer über den Oberbauch gemacht, operieren Ärzte heute über den Nabel. Relativ
neu ist die sogenannte laparoskopische Operationsmethode, also mit sehr kleinen Instrumenten, die so gut wie keine sichtbaren Narben mehr hinterlassen. Da aber auch beim Nabelschnitt kaum Narben mehr zu sehen sind, entscheidet man in den Kliniken meist nach den Erfahrungen des Operateurs.

Dr. Roman Metzger rät deshalb allen Eltern, lieber schnell zu reagieren, wenn das Kind die Nahrung immer wieder von sich gibt, denn je länger man wartet, desto kritischer wird der Zustand des Säuglings. „Je früher man die richtige Diagnose stellt, desto kürzer müssen die Kinder im Krankenhaus bleiben.“

Die Operation, bei der die Muskulatur quasi aufgespalten wird, dauert ungefähr dreißig Minuten. Danach kann der Säugling wieder normal essen.

Auch das Stillen verläuft bei Julius wieder so unbeschwert wie in den ersten vier Wochen seines Lebens. Mittlerweile ist Julius wieder aus dem Krankenhaus entlassen und seine Eltern hoffen nun, dass sie ihre kleine Feier nachholen können, wenn Julius genau zwei Monate alt ist.

Claudia Hempel

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Frühchen
- Strategisches Denken
- Tabuthema Tod
- Streitthema Tattoo

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