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Spange, Brackets oder nichts?

Fast jedes zweite Kind in Deutschland hat eine mehr oder minder starke Zahnfehlstellung. Fehlbisse und schiefe Zähne müssen in der Regel durch eine kieferorthopädische Behandlung korrigiert werden. Doch die Krankenkassen zahlen nicht in jedem Fall. Für die Eltern kann das teuer werden.

„Brauchszt gar nicht szo szu lachen“. Hannes guckt seine Schwester böse an. Seit ein paar Tagen hat der 11-Jährige eine Zahnspange. Wenn Hannes damit spricht, klingt es, also ob ein Wasserkessel zischt. Die Spange soll seinen Überbiss korrigieren, Ober- und Unterkiefer sind darin fixiert. Sprechen kann er damit nur undeutlich. Deswegen braucht Hannes die Spange erst einzusetzen, wenn er aus der Schule kommt. Je länger er sie tagsüber und nachts trägt, desto eher wird er sie wieder los. Drei Jahre etwa soll die Behandlung dauern. Auch wenn es lästig ist – Hannes hat den Willen durchzuhalten. Einige Hundert Euro müssen seine Eltern während der Behandlung bezahlen, zwanzig Prozent der Gesamtkosten, die in den nächsten Jahren anfallen. Trägt Hannes die Spange gewissenhaft und ist die Behandlung erfolgreich, bekommt die Familie das Geld zurück.
Doch längst nicht mehr alle kieferorthopädischen Behandlungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Der Leipziger Kieferorthopäde Dr. Uwe Nennemann hat die Erfahrung gemacht, „dass viele Kinder unbehandelt bleiben, weil die Eltern die Kosten nicht tragen können oder wollen.“ Seit 2002 werden kieferorthopädische Behandlungen in Schweregrade 1 bis 5 eingeteilt. Erst ab Stufe 3 zahlt die Krankenkasse. „Kinder, die knapp darunter liegen, müssen warten, bis sich ihr Gebiss so verschlechtert hat, dass es ins System passt oder die Eltern müssen selbst zahlen. Das ist eigentlich ein Unding“, findet der Kieferorthopäde. Selbst das Vorstrecken des Eigenanteils von zwanzig Prozent wie im Fall von Hannes ist für einige Eltern ein Problem. „Eine unbehandelte Kieferfehlstellung ist aber langfristig gesehen nicht gut für eine gesunde Gebissentwicklung“, gibt Dr. Nennemann zu bedenken. Fehlstellungen der Zähne können später zu Kiefergelenksproblemen und Kopfschmerzen führen. Schiefe Zähne lassen sich schwerer pflegen und sind daher anfälliger für Karies und Parodontose.
Entscheidet man sich für eine Behandlung, dann sollte die Spange auch gut gepflegt werden. „Gerade bei Brackets, den Zahnspangen, die direkt auf die Zähne geklebt werden, besteht durch die vielen Nischen die Gefahr, schneller Karies zu bekommen“, erklärt Dr. Nennemann. „Eine gute Zahnpflege ist dann ungemein wichtig.“ Eine Versieglung des Bracketumfeldes und die professionelle Reinigung sind empfehlenswert, aber auch die kosten extra. Bei finanziellen Engpässen können vielleicht auch die Großeltern mithelfen. Nicht, dass am Ende der Behandlung die Zähne zwar gerade, aber voller Löcher sind!

Jana Olsen

 

Pflegetipps für Spangenträger

Herausnehmbare Spangen:

• Hier muss doppelt geputzt werden: Die eigenen Zähne und die Spange. Und das mindestens zweimal am Tag, besser noch nach jedem Essen.

• Die Zahnbürste zum Putzen der Spange sollte harte Borsten haben.

• Auf Zahnpasta mit Schleifkörpern verzichten, sie zerkratzen den Kunststoff.

• Nicht mit Stiften oder anderen harten Gegenständen an der Zahnspange herumkauen. Das könnte die Drähte verbiegen oder abbrechen lassen.

• Die Spange immer nur sehr vorsichtig herausnehmen, da sie sonst kaputt gehen könnte.

• Wird die Spange nicht getragen, gehört sie in eine feste Spangendose.

• Zwei mal pro Woche bzw. je nach Modell und Empfehlung des Zahnarztes sollte die Spange mit speziellen Reinigungstabletten

Festsitzende Spangen:

• Allzu harte Lebensmittel wie Nüsse, hartes Brot oder Süßigkeiten wie Kaugummi, Lakritze und Gummibärchen sollten gemieden werden. Sie könnten die Spange kaputt machen.

• Vor dem Putzen den Mund kräftig mit lauwarmem Wasser ausspülen. So werden größere Essensreste entfernt.

• Für die Reinigung gibt es spezielle Zahnbürsten, die Orthobürsten. Diese verfügen über längere Bors- ten außen und kürzere Borsten innen. Sie ermöglichen die Reinigung von Bracket und Zahn in einem Schritt. Solche speziellen Aufsätze gibt es mittlerweile auch für elektrische Zahnbürsten.

• Interdentalbürsten eignen sich, um schwer zugängliche Bereiche zwischen den Brackets zu reinigen.

• Die richtige Putztechnik muss man erlernen. Zahnärzte beraten dabei.

• Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung ist empfehlenswert, ist aber keine Kassenleistung.

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Vorsicht vor Fremden im Netz!
- Physik-WM in Peking
- Neurofeedback

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