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Fast Food irritiert das Immunsystem

Pizza, Burger & Co machen nicht nur dick, sie reizen auch das Immunsystem. Eine internationale Studie brachte es an den Tag: Wer viel von diesen Lebensmitteln zu sich nimmt, hat auch häufiger Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis. Auch die Unis von Ulm und Münster waren an der Studie beteiligt.

Viele Kinder und Jugendliche essen gern Fast Food. Und das überall auf der Welt – ungeachtet der Tatsache, dass schon seit Jahrzehnten darüber diskutiert wird, wie ungesund diese Art der Ernährung ist. Dafür gibt es nun neue Beweise.2013 untersuchte Stiftung Warentest das Angebot zweier großer Fast-Food-Ketten, mit einem eindeutigen Ergebnis: Zu salzig, zu fett, zu viele Kalorien. Ein Menü aus Burger, Pommes und Softgetränk enthält bis zu 1200 Kalorien und 63 Gramm Fett, rund das Doppelte der Menge, die ein Erwachsener als Hauptmahlzeit zu sich nehmen sollte. Ähnlich sieht es bei Fertigpizzas aus der Tiefkühltruhe aus. Bei einigen von ihnen bemängeln Lebensmittelexperten darüber hinaus die Qualität der Zutaten. Fast Food macht aber nicht nur dick, sondern auch krank! So lautet das Zwischenergebnis einer weltumspannenden Studie. Mehr als hundert medizinische Zentren waren daran beteiligt, in Deutschland die Universitäten Ulm und Münster.

 

Weltweite Studie

Rund eine halbe Million Kinder und Jugendliche aus 51 Staaten wurden befragt, ob sie unter Allergien wie Asthma, allergischem Schnupfen oder Ekzemen leiden. Und: Wie ihre Ernährungsgewohnheiten aussehen. Die Wissenschaftler wollten ergründen, wie oft Fast Food auf dem Speiseplan steht, aber auch nach dem Verzehr von anderen Nahrungsmitteln wie Fisch und Fleisch, Gemüse und Obst wurde gefragt.Das Ergebnis der Studie ist deutlich: Teenager, die mindestens dreimal in der Woche Schnellgerichte essen, haben ein Risiko von 39 Prozent, an schwerem Asthma zu erkranken – bei jüngeren Kindern sind es immerhin noch 27 Prozent. Auch unter Ekzemen oder allergiebedingtem Schnupfen litten die Fast Food verzehrenden Studienteilnehmer deutlich häufiger.Und das unabhängig vom Wohnort: Junge Leute aus Tokio sind genau- so betroffen wie die aus Berlin. Und auch Kinder und Jugendliche, die auf dem Lande leben, bleiben von Allergien nicht verschont. Nach Meinung der Wissenschaftler kommen dafür verschiedene Bestandteile des Fast Foods als Verursacher in Betracht.

 

Krankmacher Histamin

Histamin ist eine körpereigene Substanz mit wichtigen Funktionen. Es dient als Botenstoff bei Entzündungen. Darüber hinaus spielt es eine wichtige Rolle im Magen-Darm-Trakt, hilft bei der Steuerung des Wach-Schlaf-Rhythmus und des Appetits. Auch in der Nahrung ist Histamin enthalten, besonders viel davon in konservierten Lebensmitteln wie Schmelzkäse und Dauerwurstwaren, die bei Fertigpizzas verwendet werden. Schon länger ist bekannt, dass der übermäßige Verzehr von histaminhaltigen Lebensmitteln krank machen kann, weil dadurch Zufuhr und Abbau dieses Stoffes aus dem Gleichgewicht geraten. Dann spricht man von einer Histaminose oder Histamin-Intoleranz, deren Symptome denen einer Allergie gleichen. 

 

Übeltäter Transfettsäuren

Ein weiterer Übeltäter bei der Entstehung von Allergien können die so genannten Transfettsäuren sein, die man zum Beispiel in Fertigsuppen, Pommes und Chips findet. Es ist erwiesen, dass diese Fette Entzündungen verstärken und bei Asthmapatienten bedrohliche Reaktionen des Immunsystems auslösen können, indem die Atemwege verkrampfen. Cola und Limonaden nicht zu vergessen, die allzu häufig zu den diversen Fast-Food-Menüs getrunken werden. In nur einem Liter Cola stecken 37 Stück Würfelzucker! Und das verstärkt bei Kindern, die ohnehin schon an Allergien leiden, das Entzündungsgeschehen in den Atemwegen. Auch die in Softgetränken enthaltenen Farb- und Konservierungsstoffe können Allergieauslöser sein, sagen die Mediziner.

 

Für Ausgleich sorgen

Also nie wieder Burger und Pommes, Tütensuppe und Feinfrostpizza? So dramatisch sehen es die Wissenschaftler, die die Studie erarbeitet haben, nicht. Denn sie haben auch eine gute Nachricht: Wer gern Fast Food isst, aber gleichzeitig mindestens dreimal in der Woche Obst verzehrt, vermindert sein Allergierisiko um mehr als zehn Prozent. Denn Obst ist reich an Antioxidantien und anderen wichtigen Stoffen – und hilft so, die negative Wirkung des Fast Foods auszugleichen. Auch hier gilt also der alte Spruch von Paracelsus: „Die Dosis macht das Gift“.

von Eva Jobst

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Frühchen
- Strategisches Denken
- Tabuthema Tod
- Streitthema Tattoo

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