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Ein Tag in der Babysprechstunde

Dienstags ist Babysprechstunde in der Praxis der 
Leipziger Kinderärztin Dr. Petra Richter. Seit mehr 
als dreißig Jahren hilft sie Kindern und Eltern, 
mit den großen und kleinen gesundheitlichen 
Problemen des Aufwachsens fertig zu werden.

Das Wartezimmer ist voll und trotzdem nimmt sich die Ärztin viel Zeit. Das ist gut so, denn Maria ist sehr unruhig und muss geschickt abgelenkt werden. Da ist der Einfallsreichtum der Kinderärztin gefragt. Der neun Wochen alte Luka ist gut entwickelt – das Gewicht ist an der oberen Grenze. Im Mund entdeckt die Ärztin Soor, also einen Pilz. Das kommt bei Babys oft vor. Sie verschreibt ein Mundgel mit dem Wirkstoff Miconazol.

Tipp der Ärztin: Nuckel und Finger besonders sauber zu halten. Luka gehört zu den kräftigen und fordernden Kindern, die leicht schwitzen, vor allem im Nacken. Ein Hinweis auf ein sogenanntes Calciumkind. Die Ärztin verschreibt Calcium carbonicum. Das Baby soll zunächst drei Globuli verabreicht bekommen. Außerdem bespricht sie mit der Mutter eine Impfung gegen Rotaviren. Diese Schluckimpfung empfiehlt Dr. Richter besonders dann, wenn das Kind eventuell mit einer größeren Menschenmenge zusammenkommt oder eine Reise ansteht.

Sophie ist elf Monate alt und putzmunter. Sie bekommt die dritte Sechsfachimpfung. Das geht nicht ganz ohne Schreien ab, doch auch hier hilft es, abzulenken und zu trösten. Sophie hat kleine Hitzepickel am Körper.

Tipp der Ärztin: Die Haut mit Puder oder einer zinkhaltigen Salbe zu behandeln.

Die 1-jährige Luise wiegt 10 Kilo – genauso viel wie Antonia, die bereits 2 Jahre alt ist. Anders als die gute Esserin Luise ist die zarte Antonia eine Schlechtesserin; gesund ist jedoch auch sie. Die Mutter von Luise will noch einen Rat für die bevorstehende Autofahrt in den Urlaub. Sie sorgt sich, dass das Kind während der längeren Reise unruhig werden könnte.

Tipp der Ärztin: Die Fahrt in die frühen Morgenstunden zu legen, sodass das Kind im Auto noch einmal einschläft oder die Zeit des Mittagsschlafes zu nutzen. Gegen etwaiges Unwohlsein bekommt Luise Coccolus-
Globuli mit auf den Weg. Vor der Reise soll die Mutter der Kleinen fünf Globuli verabreichen, eventuell weitere fünf während der Fahrt.

Gerade einmal vier Wochen alt ist Alexander. Er sieht prächtig aus und die Ärztin ist zufrieden. Alexander hat gut zugenommen. Die Mutter erzählt, dass der Kleine sehr häufig nach der Brust verlangt. Die Ärztin empfiehlt dennoch, die Pause von zwei Stunden bis zum nächsten Stillen einzuhalten, da sonst der Verdauungstrakt des Babys einfach überfordert wird. Die Mutter berichtet, dass Alexander in den Abendstunden öfter weint.

Tipp der Ärztin: Die Abendstunden sind bei vielen Kindern die Weinstunden. Das kann von Blähungen herrühren, eine Bauchmassage kann Abhilfe schaffen. Auch bei Blähungen kann Calcium carbonicum hilfreich sein.

Boris ist fünf Monate alt und ein ausgesprochenes Normkind, was Größe, Gewicht und Entwicklung angeht. Er bekommt heute eine Impfung. Um einem eventuellen Unwohlsein vorzubeugen, schiebt die Ärztin dem Baby drei Globuli Thuja unter die Zunge.

WANN SIE UNBEDINGT ZUM ARZT GEHEN MÜSSEN

Wenn Neugeborene generell schlecht trinken, sehr viel spucken und nicht zunehmen, muss ein Arzt abklären, ob eine ernste Erkrankung – etwa ein Herzfehler – dahinter steckt. Ungefähr acht bis zehn von tausend Neugeborenen kommen mit einem Herzfehler zur Welt. Manche (wie die typische Blausucht) sind schnell zu erkennen, andere zeigen sich erst später. Trinkschwierigkeiten und schlechtes Gedeihen gehen häufig mit einer Herzerkrankung einher.

Durchfall: Wässriger Stuhl bedeutet Flüssigkeitsverlust, der bei Babys schnell gefährlich werden kann. Hält der Durchfall mehr als einen Tag an, ist der Arztbesuch erforderlich. Sollte das Kind zusätzlich Brust oder Flasche verweigern, schnell ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen!

Erbrechen: Bei Erbrechen in Kombination mit Fieber, Apathie, Verweigerung der Nahrungsaufnahme, Durchfall und möglicher Berührungsempfindlichkeit – 
sofort zum Arzt oder den Notarzt rufen. Hier besteht der Verdacht auf eine Hirnhautentzündung. Tritt das Erbrechen auf, weil das Baby vielleicht heruntergefallen ist, kann eine Verletzung des Gehirns dahinter stecken. Abklären lassen! Auch wenn das Erbrechen mit einem Ausschlag und Fieber einhergeht, bitte den Arzt aufsuchen.

Husten/Schnupfen: Hat das Baby Schwierigkeiten beim Atmen und will nicht trinken, sollte der Kinderarzt konsultiert werden.

SCHNELL HANDELN UND EVENTUELL DEN NOTARZT RUFEN

Wenn sich der Gesundheitszustand eines Babys schlagartig verändert – plötzliches Erbrechen mit Fieber oder Ausschlag, Apathie oder aber unaufhörliches Schreien des Kindes sind immer Anzeichen für mögliche schwerwiegende gesundheitliche Probleme.

VON GUDRUN STRIGIN

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Vorsicht vor Fremden im Netz!
- Physik-WM in Peking
- Neurofeedback

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