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Deutschlands berühmtester Kinderarzt war ein Sachse

* 21. Januar 1843 in Mühltroff, † 17. Oktober 1926 in Loschwitz (Dresden)

Otto Johann Leonhard Heubner gilt als deutscher Vater der Kinderheilkunde und des Säuglingsschutzes. Dabei wäre der Mediziner lieber Musiker geworden. 

„Nicht   wahr,   das   Gehirn   bekomme  ich  aber  zur  Untersuchung“,  flüsterte  Heubner seinem Kollegen zu, als sie ein an   Gehirnentzündung   erkranktes Kind  untersuchten.  Seine  wissenschaftliche Leidenschaft riss ihn im Beisein der besorgten Mutter zu dieser  Bemerkung  hin.  Die  Anekdote ist in einem Porträt der Reihe „Sächsische Lebensbilder“ überliefert. Dort  werden  dem  Mediziner  aber vor   allem   Begeisterungsfähigkeit, starkes Pflichtgefühl, Gerechtigkeitssinn,   persönliche   Anspruchslosigkeit und eine auffällig zähe Konstitution bescheinigt.

 

Arzt und empfindsamer Mensch

Otto  Johann  Leonhard  Heubner  ist der Sohn des Juristen Otto Leonhard Heubner, der auch als „sächsischer Turnvater“ bekannt wurde. Dessen politische Tätigkeit führte zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe. Für seinen  siebenjährigen  Sohn  muss das ein Schock gewesen sein, der auch wirtschaftlich langjährige Folgen hatte.

Am liebsten wäre Heubner Musiker geworden. Noch bei seiner klinischen Medizinprüfung 1865 prophezeite ihm sein Lehrer, er „würde wohl eher mal Professor als praktischer Arzt“ werden. Doch er war, „was man gerade heute wieder von dem Arzte verlangt, dass er nämlich nicht nur kühler Wissenschaftler, sondern empfindender Mensch sein soll“.

 

Begründer der modernen Kinderheilkunde

Tatsächlich sind Heubner bedeutende  wissenschaftliche  Leistungen zu verdanken. Er befasste sich mit entzündlichen Hirnkrankheiten, Nierenerkrankungen bei Kindern und Säuglingstuberkulose. Immer setzte sich der Internist dafür ein, Kinder nicht wie „kleine Erwachsene“ zu behandeln. Wie sein Kollege Arthur Schloßmann engagierte er sich für eine natürliche Ernährung. Mit 47 Jahren, 1891, wurde er Direktor der ersten und größten deut schen Kinderklinik in Leipzig. Er schuf wertvolle Arbeiten über Stoffwechsel und Verdauung des Säuglings sowie

über die Milchsterilisation. Zwei Jah- re später folgte Heubner einem Ruf an die Berliner Charité und leitete den ersten deutschen Lehrstuhl für Kinderheilkunde. Die Säuglingssterblichkeit der dortigen Kinderklinik lag bei seinem Amtsantritt bei 70 bis 80 Prozent. Er vertrat den Standpunkt, „dass Massenabfertigung in stark besuchten Kliniken noch keine Fürsorge ist“, kämpfte für Hygiene und Kinderschutz. Noch heute trägt die Kinderklinik der Charité seinen Namen.

 

EKG bei Kindern

Heubner war 1902 der Erste, der bei einem Kind ein Elektrokardiogramm (EKG) ableitete. Viele Krankheiten sind nach ihm benannt. So der Windpockenausschlag (Heubnerscher Sternenhimmel), Zöliaki (Heubner Herter-Krankheit) oder die Heubner-Krankheit, eine Entzündung der Hirngefäße bei Syphillis. Mit  70 Jahren stellte er seine Lehrtätigkeit ein. Er wollte sich in Dresden-Loschwitz  seinem Garten, der Forschung, der Familie und der Musik widmen. 1926 starb er an den Folgen eines Schlaganfalls.

von Dagmar Möbius

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Vorsicht vor Fremden im Netz!
- Physik-WM in Peking
- Neurofeedback

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