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Das Glück dieser Erde ...

... liegt auf dem Rücken der Pferde. 

So heißt es doch? Das kann ich bestätigen, wenn ich meine Tochter Sarah sehe. Sie sitzt im Rollstuhl und da sie sich nicht selbst halten kann, muss sie angeschnallt werden. Aber sobald sie auf dem Pferd ist, kann sie plötzlich frei sitzen! Das ist so schön anzusehen. Ich bilde mir ein, dass man da förmlich zusehen kann, wie die Rückenmuskulatur gestärkt wird. Ich weiß nicht wie, aber es funktioniert. Die Therapeutin hat erzählt, Reiten wäre für den Rücken die ideale Sportart. Durch den extrem breitbeinigen Sitz wird der Rücken automatisch gerade gezogen. Auch bei Kindern mit einer leichten Haltungsschwäche würde ein Reittraining, gerade in der Wachstumsphase, wunderbar funktionieren.

Und noch etwas finde ich großartig: Wenn Sarah auf dem Pferd sitzt, dann bekommt sie so etwas Erhabenes – sie ist wie ausgewechselt. Im Rollstuhl muss sie die Welt immer von unten betrachten. Auf dem Pferd kann sie plötzlich auf die anderen herab blicken, das genießt sie unheimlich.
Sarah hat das Rett-Syndrom. Der österreichische Kinderarzt, der die Krankheit das erste Mal beschrieben hat, heißt Andreas Rett, daher der Name. Das ist eine genetisch bedingte Stoffwechselstörung. Damals vor
18 Jahren wurde sie als ganz normales Kind geboren – unsere Erstgeborene. Anfangs hat sie sich auch ganz normal entwickelt, doch dann traten plötzlich die typischen Entwicklungsstörungen auf. Dazu gehört, dass die Bewegung eingeschränkt ist, selbstständiges Laufen funktioniert meist nicht. Typisch ist auch die Skoliose, also eine Verformung der Wirbelsäule, die den ganzen Halteapparat in eine Schieflage bringt. Normalerweise empfiehlt man Menschen mit Skoliose viel Sport, Bewegung und Physiotherapie. Doch im Rollstuhl kann sich Sarah nun gerade nicht bewegen. Deshalb versuche ich, sie so oft wie möglich da raus zu nehmen. Zu Hause lege ich sie dann auf den Bauch, das ist gut für den Rücken. Aber in der Schule sitzt sie halt den ganzen Tag im Rollstuhl. Deshalb ist das Reiten so wichtig. Früher haben wir die Behandlung noch von der Krankenkasse bezahlt bekommen. Die Reittherapeutin, Frau Schönherr, hat erzählt, sie macht das fast 40 Jahre schon. Damals – zu DDR-Zeiten – hieß das Therapeutisches Reiten. Da das gesamte Gesundheitssystem kostenlos war, wurde auch das bezahlt. Heute heißt das Hippotherapie und wird nicht mehr bezahlt.
Aber Frau Schönherr ist unheimlich engagiert. Sie hat einen Verein gegründet, damit sich alle Eltern die Therapie leisten können. Als Vereinsmitglied bezahlen wir jetzt fünf Euro pro Stunde. Das ist gut, denn die Reittherapie ist wirklich ein Segen. Ich kann das allen Eltern nur empfehlen. Sie sollten sich auch nicht irritieren lassen, wenn ihr Kind anfangs Angst vor dem Pferd hat. Frau Schönherr hat da gute Tricks. Sie lässt dann die Mutter oder den Vater des Kindes reiten und das Kind kann einfach nur zugucken. Irgendwann wird es neugierig und will auch. Ich denke, zehn Mal sollte man es versuchen. Wenn das Kind dann immer noch nicht will, ist es vielleicht besser, etwas anderes zu suchen. Aber ich habe noch kein
bei Sarah war – sie hat am Anfang dieses Pferd mit allen Sinnen erspürt. Sie hat es befühlt, ihr Ohr an sein Fell gelegt und sogar daran geleckt. Das war unglaublich. Diese zwanzig Minuten Reittherapie pro Woche möchte ich auf keinen Fall missen!

Protokoll: Claudia Hempel

Kontakt für Interessierte:

Physiotherapie Schönherr & Team

Chemnitzer Str. 53

09669 Frankenberg

Telefon: 037206 - 24 86

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Vorsicht vor Fremden im Netz!
- Physik-WM in Peking
- Neurofeedback

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