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Farbenfroh und ganz ohne Gift - Färben mit Pflanzen

Welche Farbe hat euer Lieblings-T-Shirt? Rot? Lila? Hellgrün? Himmelblau? Für uns ist es selbstverständlich, Kleidung in verschiedenen Farben zu besitzen. Die Farben werden in der Chemiefabrik hergestellt und anschließend werden die Garne oder Kleidungsstücke gefärbt. Dabei ist jede nur denkbare Farbe möglich. Menschen vergangener Epochen stand kein so reichhaltiges Farbangebot zur Verfügung. Sie mussten in der Natur Farben finden, mit denen sie ihre Kleidung färben konnten. Manche Farben waren selten und so wertvoll, dass nur Könige sie tragen durften. Der Umhang römischer Kaiser wurde mit Purpur gefärbt. Dieser Farbstoff wurde aus der Purpurschnecke gewonnen. Um 1 Kilo Wolle für die Tunika eines Herrschers zu färben, braucht man 10.000 Schnecken! Sie bilden den Farbstoff in einer Drüse. Er ist erst grün, wird dann im Sonnenlicht blau, schließlich purpurfarben und scharlachrot. Junge Könige bekamen einen grünen Umhang, der sich im Laufe der Zeit purpurrot verfärbte. Er war ein Symbol für das Reifen des Herrschers. Auch die einfachen Leute wollten schön sein und färbten ihre Kleidung. Purpurschnecken konnten sie sich nicht leisten; sie nahmen, was sie in der Umgebung finden konnten. Was das wohl war? Richtig, Pflanzen! In unseren Breiten verwendeten die Leute zum Färben Pflanzen, die wir auch heute noch finden: Brennnesseln (hellgelb), Birkenblätter (gelb), Walnuss (braun), Krapp (rot) und die braunen trockenen Zwiebelschalen (leuchtend gelb). Färben kann man eigentlich mit jeder Pflanze, die Farben bewegen sich meist zwischen gelb, grün und braun. Geeignete Stoffe sind Seide, Wolle, Leinen und Baumwolle. Die tierischen Produkte Seide und Wolle nehmen mehr Farbe auf als die pflanzlichen Produkte Leinen und Baumwolle.

Wenn ihr es auch mal probieren wollt, braucht ihr:

• Ein altes weißes Baumwoll-T-Shirt oder ein weißes Seidentuch oder ungefärbte Schafwolle

• Einen großen Topf, der nicht mehr zum Kochen verwendet wird

• Einen alten Kochlöffel

• Küchenwaage

• Gummihandschuhe

• Pflanzen zum Färben, hier: Birkenblätter

• Alaun und Weinstein aus der Apotheke

Hinweis: Vorsicht, ihr braucht Chemikalien (Alaun, Weinstein) und auch heißes Wasser. Geht vorsichtig damit um. Lasst euch von einem Erwachsenen helfen! Was Stoffe färbt, kann auch eure Hände färben. Arbeitet am besten mit Gummihandschuhen.

Noch eine Idee: Wenn ihr zusätzlich zum Färben noch Muster haben wollt, könnt ihr die alte Technik des Batikens verwenden. Dazu bindet ihr mit Gummis oder Bindfaden ein paar Stellen im Stoff ab. Dort kann dann keine Farbe hin, diese Stellen bleiben also hell. Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

1. Wiegt euer Färbegut. Mein Shirt wiegt 100 g. Ich habe beim Färben gute Erfahrung mit folgenden Mengenverhältnissen gemacht: Verhältnis Shirt zu frischen Pflanzen = 1 : 2 (1 x 100 g das Shirt : 2 x 100 g Pflanzen). Ich verwende frische Birkenblätter, also brauche für ich mein Shirt 2 x 100 g = 200 g Blätter.

2. Nun müsst ihr euer Färbegut vorbereiten. Dazu lasst ihr es in dem alten Topf mit Alaun (15% vom Gewicht des Färbegutes) und Weinstein (7%) in ausreichend Wasser eine Stunde köcheln. Dabei werden die Fasern geöffnet, damit sie die Farbe besser aufnehmen können. Um auszurechnen, wie viel Alaun ihr mit der Küchenwaage abwiegen müsst, rechnet ihr das Gewicht eures Färbegutes mal 0,15. Bei mir sind das 0,15 x 100 g = 15 g. Für Weinstein gilt entsprechend 0,07 x 100 g = 7 g. Nach der Stunde lasst ihr alles abkühlen und spült den Topf und das Färbegut mit Wasser gründlich aus.

3. Wiegt die Pflanzen zum Färben ab. Gebt sie in den Topf, heißes Wasser dazu und auch das, was ihr färben wollt.* Lasst es eine Stunde köcheln und dann abkühlen. Anschließend spült ihr so lange mit kaltem Wasser, bis das Spülwasser farblos ist. Nun hängt ihr euer selbst gefärbtes Prachtstück in die Sonne zum Trocknen. Viel Spaß beim Anziehen!

* Beim Färben von Wolle ist es besser, erst eine Stunde lang einen Sud aus den Pflanzen zu kochen, danach die Pflanzen abzufiltrieren (oder gleich in einem Stoffbeutel ins Wasser zu hängen) und dann erst die Wolle im farbigen Sud zu färben. Sonst habt ihr hinterher ganz viele Pflanzenteile in der Wolle.
Eure Apothekerin Dr. Anne-Kathrin Habermann

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Arznei für die Kleinen
- Der "Smombie" geht um
- Heilkraft aus der Küche - Hausmittel

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