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Ich will das nicht anziehen!

Kinder müssen sich entwickeln, da darf die Farbenwahl ruhig Schmerzen bereiten.

Gelbe Socken, lila Hose und grüngestreiftes T-Shirt: Kinder werfen manchmal mit haarsträubenden Ideen die Kleiderordnung über den Haufen. Die Diskussionen um Farbkombinationen und unpassende Kleidung zerren an den Nerven der Eltern, gerade morgens, wenn es schnell gehen muss. Welche Strategien helfen dann, damit der Tag harmonisch beginnt?

Japanische Eltern haben es gut. Ihre Knirpse tragen im Kindergarten eine Uniform. Einheitskleidung für alle: dunkelblaue Hosen, bequeme T-Shirts und ein Schürzchen für Bastelarbeiten. Kein Gezeter am Morgen, was denn nun angezogen wird. Hierzulande dagegen entwickelt so mancher Nachwuchs heftige Trotzreaktionen, wenn Mama oder Papa Hose und Pullover hinlegen, aber der Sprössling etwas ganz anderes anziehen möchte.

In Internetforen finden sich unzählige Tipps, wie man die Misere beenden könnte. Die Vorschläge reichen von „Kinder müssen sich entwickeln, da darf die Farbenwahl ruhig Schmerzen bereiten“ bis „Wenn das Kind nicht das anzieht, was ich raus lege, muss es nackt gehen“. Pädagogen empfehlen der ganzen Situation zunächst einmal etwas Positives abzugewinnen. Denn ab einem Alter von 2 Jahren kommen die Kinder ins „Selbstständigkeitsalter“: Sie wollen immer mehr alleine machen. Das ist gut so und sollte honoriert werden. Manchmal hilft es auch, ein paar Minuten früher aufzustehen, um die morgendliche Hektik zu entspannen. Sind die Eltern munter und ausgeglichen, sind es auch die Kinder. Und hat mal alles wunderbar geklappt, darf ausgiebiges Lob nicht fehlen.

Ansonsten gilt: Das Wetter bestimmt die Kleiderordnung. Will der Knirps in Sandalen durch das herbstliche Matschwetter ziehen, sollte man dem Kind unmissverständlich mitteilen, wo das Problem liegt. Dabei sollte man auf Ich-Botschaften setzen statt auf Du-Botschaften, die das Kind herabsetzen. Also statt: „So kannst du nicht rumlaufen“ besser sagen: „Ich mache mir Sorgen, dass du dich in der kurzen Hose erkältest“.

Psychologe Thomas Gordon erklärt in seinem Bestseller „Familienkonferenz“ dieses Prinzip so: „Eine ‚Ich-Botschaft’ sagt dem Kind, dass Sie ihm die Verantwortung überlassen, ihm zutrauen, auf konstruktive Weise mit der Situation fertig zu werden“. Kinder wollen nicht gesagt bekommen, was sie tun sollen, sondern wollen selbst eine Lösung finden. Aufforderungen wie „Du bist immer so langsam, zieh dich endlich an!“ werden nicht funktionieren. Motiviert werden Kinder, wenn man sie bestärkt: „Ich finde toll, dass du dich schon selbst anziehen kannst. Aber ich habe es heute sehr eilig. Darf ich dir helfen?“ Letztlich kann etwas mehr Gelassenheit nicht schaden. Drei Lieblingsschlüpfer übereinander – wen stört das eigentlich? Links ein grüner Kniestrumpf, rechts eine rosa Socke, na und? Solange die Füsse darin warm genug bleiben, gibt es kein Problem. Und vielleicht wird aus der Mini-Vogelscheuche ja später irgendwann mal eine weltberühmte Designerin.

Jana Olsen

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Wohin mit der Wut?
- Helfende Pfötchen
- Naturerlebnis Wildcamps

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Lese-Tipp

Thomas Gordon: Familienkonferenz.
Die Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Kind.
Verlag: Heyne
ISBN 3453029844
368 Seiten
Preis: 9,95 Euro