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Familie

Klare Regeln am Tisch und im Alltag, bitte!

Vor dem Essen Hände waschen und nicht mit dem Essen spielen - das Lernen schon Kleinkinder.

Bitte und Danke sagen. Mein und Dein unterscheiden. Grüßen. Nicht mit dem Essen spielen. Stillsitzen. Nicht schmatzen. Schon Kleinkinder lernen Höflichkeitsformen und Tischsitten. Was ist gutes Benehmen und was sollte ein Vorschulkind beherrschen?

„Ob der Philipp heute still wohl bei Tische sitzen will? Also sprach in ernstem Ton der Papa zu seinem Sohn. Und die Mutter blickte stumm auf dem ganzen Tisch herum.“ Schon im 19. Jahrhundert war kindliches Benehmen ein viel diskutiertes Thema. Heinrich Hoffmann hat es im legendären Struwwelpeter behandelt.

So unterschiedlich gesellschaftliche Normen in unterschiedlichen Epochen sein mögen – gutes Benehmen wird nach wie vor geschätzt. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2006 waren 88 Prozent aller Eltern überzeugt, dass Kinder im Elternhaus vor allem Höflichkeit und gutes Benehmen lernen sollten. Das bewerteten sie sogar höher als hilfsbereit zu sein. Innerhalb von 15 Jahren hat sich vor allem bei Eltern unter 44 Jahren ein Wertewandel vollzogen: 2006 hielten auch 89 Prozent der jüngeren Eltern Höflichkeit und gutes Benehmen für wichtig. 1991 galt das nur für 68 Prozent dieser Befragten. Schon die Kleinsten werden heute zu Knigge-Seminaren geschickt. Ist das übertrieben?

Wie das Besteck geführt und wie eine Serviette verwendet wird, muss ein Kleinkind nicht zwingend wissen, sagen Knigge-Experten auf der gleichnamigen Internetplattform. Dass man möglichst geräuschlos und ohne Schmatzen und Schlürfen isst, kann im Grundschulalter vorausgesetzt werden. Was vorher in welchem Alter beherrscht werden muss, darüber sind sich Experten uneins. Zum einen entwickeln sich Kinder individuell, zum anderen bekommen sie unterschiedliche Werte oder Regeln vermittelt.
„Elementare Dinge, die ein Vorschulkind können sollte, sind: Bitte und Danke zu sagen, Mein und Dein zu unterscheiden, zu grüssen und einen Gruß nett zu erwidern“, meint Klaus Roes, Geschäftsführer der
Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen Sachsen-Anhalt.

Vor dem Essen Hände waschen, nicht mit dem Essen spielen, beim gemeinsamen Essen warten bis alle anfangen, bei Tisch sitzen bleiben bis alle fertig sind oder beim Husten oder Gähnen die Hand vor den Mund halten, lernen schon Kleinkinder. Erst später, in der Grundschule, lernen sie, andere Menschen aussprechen zu lassen, sich zu entschuldigen, wenn ein Missgeschick passiert ist, Du und Sie zu unterscheiden und pünktlich zu sein.

Vorleben ist die beste Lehrmethode. Kinder lernen am einfachsten und schnellsten, wenn sie Mama oder Papa nachahmen. Vorausgesetzt, diese kennen und praktizieren die Spielregeln guten Benehmens.
Unterschiedliche Botschaften verwirren. Manchmal kann es sein, dass geprüft werden muss, ob die Regeln noch zur aktuellen Familiensituation passen. „Gibt es immer wieder Konflikte am selben Punkt, spricht das dafür, dass die Kinder wieder etwas mehr Eigenverantwortung brauchen“, sagt der Diplom-Religionspädagoge und Diakon Klaus Roes. Wichtig sei, dass aus Liebe gehandelt wird, um das Kind optimal auf das Leben vorzubereiten. „Nicht, weil es mit Manieren besser funktioniert“, betont die
Münchener Etikette-Expertin Nandine Meyden. Sie ist sicher: „Jedes Kind kann sich benehmen.“ Die studierte Lehrerin hat ein gleichnamiges Buch veröffentlicht. Sie plädiert für Erklärungen beim Vermitteln einer Regel. Auch sollten Eltern für ein abwechslungsreiches Umfeld sorgen, damit ihr Kind verschiedene soziale Regeln kennenlernen kann. Ausnahmen dürfen bewusst und überlegt geschaffen werden, „aber nicht weil gerade keine Lust auf Diskussionen besteht“. Ganz nebenbei wird klar: „Gute Manieren können Spaß machen.“

Dagmar Möbius

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Wohin mit der Wut?
- Helfende Pfötchen
- Naturerlebnis Wildcamps

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Lese-Tipp

Dagmar von Cramm
Kinder-Knigge für Eltern. Wie Kinder gutes Benehmen ganz spielerisch lernen
Verlag: Südwest
ISBN 3517068411
128 Seiten, Preis: 10,95 Euro

Astrid Hille / Dina Schäfer
Ist pupsen peinlich? Das kinderleichte Benimm-Buch
Verlag: Velber
ISBN 3517068411
45 Seiten, Preis: ca. 9,00 Euro