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Familie

Autsch! Was tun, wenn Kinder hauen, beißen, schubsen?

Mein kleiner Sohn war wenige Wochen alt und nuckelte an meiner Brust, als seine große Schwester mit ihm schmusen wollte. Theresa war noch keine 2 Jahre alt und wirklich ein sanftes Kind. Plötzlich biss sie dem Baby kraftvoll in den Finger. Ich war völlig überrascht.

Ihr Motiv lag für mich auf der Hand: Eifersucht, ganz klar. Doch seitdem haben sich meine Kinder – es sind nunmehr drei – gegenseitig unzählige Male gehauen, gekniffen, gebissen und geschubst. Oft genug ohne irgendeinen erkennbaren Grund.

Es gibt viele Gründe für Handgreiflichkeiten

„Warum machen Kinder das?“, wollte ich von Prof. Christian Niemeyer wissen, dem Experten für frühkindliche Pädagogik an der TU Dresden. Auch seiner Ansicht nach kann Eifersucht ein Motiv sein, gerade unter Geschwistern. Wenn Kinder das Gefühl haben, dass sie um Aufmerksamkeit kämpfen müssen, werden sie gelegentlich ebenfalls handgreiflich. Manchmal liegt es daran, dass sie etwas stört, ohne dass sie genau sagen können, was es ist. Um den Frust loszuwerden, beißen sie dann einfach zu. Andere Varianten sind Kneifen und Schubsen. In einer größeren Gruppe geht es auch schon mal darum, den eigenen Status zu finden oder sich abzugrenzen, erklärt Niemeyer.

Wichtig ist, zu wissen, dass kleine Kinder fast nie mit böser Absicht handeln, sondern eher, um das soziale Miteinander kennenzulernen und Reaktionen auszuloten.

Kinder lernen aus den Reaktionen ihrer Umwelt

Ungefähr ab neun bis zehn Monaten entwickeln sich Babys zu sozialen Wesen, sagt der Psychologe Peter Hiermann von der Universitätsklinik Leipzig. Das funktioniert vor allem über das Ausprobieren: „Wie reagiert Mama, wenn ich sie beiße?“ Problematisch ist meist, dass Eltern unklar reagieren. Wenn die Mutter beim ersten Biss zwar erschrocken aufschreit, gleichzeitig aber überrascht lacht, weiß das Kind nicht, woran es ist. Es unternimmt daher gleich noch einen Versuch, um die Reaktion zu prüfen.

Hiermanns wichtigster Tipp an Eltern lautet daher: Seien Sie eindeutig, und zwar auch in Gestik und Mimik! Zeigen Sie Ihr „Nein!“ in Wort, Blick und mit dem Zeigefinger.

Barbara Legner-Meesmann

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Wohin mit der Wut?
- Helfende Pfötchen
- Naturerlebnis Wildcamps

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Tipp

Das Wichtigste ist eine klare Reaktion mit einem eindeutigen Signal, zum Beispiel ein lautes „Nein!“. Nehmen Sie das dabei vom Schoß oder sehen es streng an.

Nicht durch zu viel reden oder erklären! Dadurch wird das Kind überfordert. Statt „Ich habe dir doch schon hundermal gesagt, dass…“ lieber eine klare Reaktion: „Au, das tut weh!“ und eine eindeutige Ansage „Tu das nicht!“. Körperhaltung und Stimme müssen deutlich machen, dass Sie verärgert sind!