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Hilfe, unser Kind stottert!

Reden Erwachsene zu schnell und zu viel, reagiert das Kind, indem es seine Sprechpausen mit Buchstaben oder Silben füllt.

Viele Vorschulkinder stottern irgendwann einmal. Spätestens in der Pubertät sprechen die meisten aber wieder ganz flüssig. Für jedes vierte betroffene Kind wird das Stottern allerdings zu einem lebenslangen Problem.

„Wa-wa-wa-wa-was ist das?“

Eltern sind oft beunruhigt, wenn ihr Kind sich plötzlich verhaspelt oder ein Wort nicht herausbekommt. Stottern beginnt meist im Alter von 2 bis 6 Jahren. Erste Warnsignale: Das Kind wiederholt Buchstaben oder Silben („Wo-wo-wohin gehen wir?“) oder es versucht, diese zu unterdrücken. Dadurch verstärkt sich das Stottern noch und es kommt zu regelrechten Blockierungen („D------------ das ist toll!“). Ein Teufelskreis.

Etwas anderes ist es, wenn Ihr Kind beim Erzählen einmal ins Stocken gerät – in einer Art Warteschleife „und dann ... und dann ... und dann“ sagt oder Sprechpausen macht. Dabei handelt es sich lediglich um ein natürliches Problem beim Artikulieren – völlig normal in diesem Alter. Von „richtigem“ Stottern sprechen Experten erst, wenn ein Kind sich enorm anstrengen muss, um ganze Sätze herauszupressen, wenn es sich beim Sprechen verkrampft, bestimmte Laute vermeidet oder Angst vorm Sprechen hat.

Warum stottert unser Kind?

Warum Kinder stottern, weiß man noch nicht ganz genau, aber eines steht fest: Die Eltern trifft keine Schuld! Entgegen allen Vorurteilen entwickelt sich Stottern unabhängig von der sozialen oder kulturellen Herkunft. Wissenschaftler schätzen den genetischen Anteil auf 70 bis 80 Prozent. Da Kinder mit dem Stottern in einem Alter beginnen, in dem sie sich am schnellsten entwickeln und häufig verunsichert sind, wird es oft von einer bestimmten Situation oder der Ungeduld eines Gesprächspartners ausgelöst. Denn Erwachsene reden zu schnell und zu viel. Das Kind reagiert, indem es seine Sprechpausen mit Buchstaben oder Silben füllt. Damit signalisiert es, dass es noch etwas sagen will, aber Zeit braucht. Bei drei Viertel aller Kinder verschwindet die Sprechstörung nach vier bis sechs Monaten genauso plötzlich wie sie gekommen ist. Die anderen stottern weiter. Meist lebenslang. Mit seinem Willen kann ein Kind hier nichts erreichen. Auch „verwächst“ es sich nicht einfach. „Richtiges“ Stottern muss frühzeitig erkannt und behandelt werden, damit eine Therapie Aussicht auf Erfolg hat.

Wann sollten wir zum Therapeuten gehen?

Fachlichen Rat sollten Sie sich holen, wenn

  • Ihr Kind unter seinem veränderten Sprechen leidet
  • Ihr Kind länger als sechs Monate zunehmend unflüssig spricht
  • Sie selbst verunsichert sind

Sprechen Sie zuerst mit Ihrem Kinderarzt. Oft ist eine logopädische Untersuchung nötig. Bei der Wahl des „richtigen“ Stottertherapeuten sollten Sie auf Ihr Gefühl hören! Therapeut, Kind und Eltern müssen eng zusammenarbeiten – darum muss vor allem die Chemie stimmen. Es gibt zahlreiche Therapieansätze, durch die Ihr Kind seine Freude am Sprechen wiederentdecken kann. Das sollte Sie zuversichtlich
stimmen!

Anne Schlosser

Themen im aktuellen Heft sind u.a.:

- Wohin mit der Wut?
- Helfende Pfötchen
- Naturerlebnis Wildcamps

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Tipps

Lassen Sie Ihrem Kind Zeit! Hören Sie ihm gut zu und lassen es ausreden! Ungeduld oder Ärger führen nur dazu, dass Ihr Kind noch mehr stottert. Korrigieren Sie Ihr Kind nicht! Zeigen Sie ihm, dass es sich
für sein besonderes Sprechen nicht zu schämen braucht! Seien Sie ein gutes Sprachvorbild! Sprechen wird durch Nachahmung gelernt. Sprechen Sie langsam und mit Pausen! Stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes! Indem Sie zum Beispiel Ihre Aufmerksamkeit auf all das lenken, was Ihr Kind schon kann.
Versuchen Sie, für Ihr Kind stressige Situationen zu vermeiden! Schützen Sie Ihr Kind vor Vorurteilen oder Hänseleien anderer! Sprechen Sie offen über das Stottern! So fühlt sich Ihr Kind mit seinem Problem nicht allein gelassen. Informieren Sie auch Ihre Familie und das Kindergarten-Team! Suchen Sie Kontakt zu Betroffenen!

Stotterer-Selbsthilfe e.V. Sachsen: www.stotterer-selbsthilfegruppen.de/lv-sachsen

Außerdem helfen weiter:

Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V.: www.bvss.de
Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V.: www.dbl-ev.de
Elterninitiative: www.pro-voce.de