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Ausnahmezustand Pubertät

Die Gruppe ist in der Pubertät besonders wichtig

Wenn sich die Tochter anfängt zu schminken, hautenge Oberteile trägt und aufmüpfig wird, dann bedeutet das meist: Sie kommt in die Pubertät.

 „Eltern müssen da lernen, tolerant zu sein“, rät Dr. Franziska  Schlensog-Schuster  vom  Universitätsklinikum Leipzig. Stimmungsschwankungen seien in der Pubertät keine Seltenheit: „Die Mädchen haben viele Hochs und Tiefs und fahren auch emotional viel schneller hoch als sonst“, fügt die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin hinzu.

Auch der Gynäkologe Dr. Alexander Jank weiß: „Das Erwachsenwerden ist eine Phase der Unsicherheit“. In der Pubertät wird das Gehirn mit Hormonen überflutet, die Mädchen legen den Kinderkörper ab und schlüpfen in den Frauenkörper. Und der ist schließlich noch fremd. Ungefähr ab dem 12. Lebensjahr kommt es durch die Geschlechtshormone zum Brustwachstum, zur Schambehaarung und zur ersten Regelblutung. „Bei starken Bauchschmerzen sollten sie zur ersten Vorsorgeuntersuchung gehen. Dort werden die jungen Mädchen beraten, was sie dagegen machen können und vor allem, wie sie zukünftig verhüten“, empfiehlt der Arzt.

 Jedes Mädchen ist anders

Manche ziehen bewusst weite Klamotten an, um ihren Körper zu verstecken und suchen sich Gruppen, in denen sie nicht auffallen. „Zum Beispiel kleiden sich einige komplett schwarz, um nicht aufzufallen. Zusammen mit anderen Gruftis verleiht ihnen das ein Gruppengefühl und gibt Sicherheit und Stabilität“, erklärt Franziska Schlensog-Schuster. Andere hingegen betonen ihren Körper, schminken sich und lassen sich piercen oder tätowieren. Auch das soll Stabilität geben, weil es wie eine schützende Uniform wirkt.

Für Alexander Jank steht fest: Heutzutage ist das Körperbewusstsein viel stärker als noch vor zwanzig Jahren.  „Viele  Mädchen  gleichen  sich  mit  der  Masse ab und fragen sich: ‚Bin ich die Norm?’“ Sie suchen sich  Idole,  denen  sie  extrem  nacheifern.  Die  Gefahr dabei: Die jungen Mädchen setzen sich selbst unter Druck, weil sie denken, sie müssen genauso sein. Von solchen  falschen  Vorbildern  rät  Alexander  Jank  ab: „Dadurch  kann  es  zu  Essstörungen  oder  Depressionen kommen. Jedes Mädchen muss akzeptieren, dass es individuell ist und sich anders entwickelt“, betont der Mediziner.

Ruhe bewahren!

Damit sie die Realität bewahren, sollten sie Freunde und Eltern unterstützen. Das richtige Fingerspitzengefühl ist dabei wichtig. Franziska Schlensog-Schuster rät, Konflikte zuzulassen, damit die Kinder sagen, was sie wollen. „Eltern müssen dabei einerseits tolerant sein und zuhören können, andererseits aber auch Grenzen setzen.“

Gerade das Elternhaus muss der Tochter das Gefühl geben, dass alles das, was sie gerade durchmacht, ganz normal ist. Die Eltern sollten ihre Tochter so akzeptieren, wie sie ist und sie in der schwierigen Zeit begleiten. „Falsch wäre, sie mit zu vielen Informationen zuzuballern. Ratgeber oder Bücher helfen da oft mehr. Mütter können auch ein Signal geben und fragen, ob die Tochter allein oder mit ihr zusammen zum Frauenarzt gehen möchte.“ Eltern müssen  vor  allem  Ruhe  bewahren, wenn sich die Kinder auf einmal zurückziehen. „Spätestens nach der Pubertät, die ja ein Ausnahmezustand ist, kommen die Töchter wieder zurück“, verspricht die Ärztin.

von Annett Böhm

 

 

u.a. mit folgenden Themen:

- Risiko Kinderspeck
- Lese-Rechtschreib-Schwäche
- Plötzlicher Kindstod

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